Kopp Blue Control: Interoperables Smart-Home-System auf Basis von Bluetooth-5-Mesh

14.09.2021
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Funktechnologie ist in den letzten Jahren zum festen Bestandteil der Gebäudeautomation geworden. Immer mehr Hersteller statten ihre Komponenten mit herstellerübergreifenden Schnittstellen aus. ZigBee, KNX-RF, Z-Wave oder EnOcean haben sich etabliert. Lange Zeit spielte Bluetooth in der Gebäudeautomation eine untergeordnete Rolle. Seit der Einführung von Bluetooth Low Energy – als optionaler Teil von Bluetooth 4.0 – hat sich das Blatt gewendet. Mit Bluetooth 5 erweiterten sich die Möglichkeiten für eine Nutzung in der Gebäudeautomation noch mehr. Unter anderem auch deshalb, weil das Protokoll für Smart-Home-Anwendungen optimiert wurde.

Inzwischen hat Bluetooth ein beachtliches Potenzial. Diese neuen Möglichkeiten nutzt jetzt auch der Hersteller Kopp. Neben dem etablierten System 'Free Control' (vgl. EI 45 und 46/19) führen die Unterfranken jetzt mit 'Blue Control' erstmals ein Bluetooth-basiertes interoperables Smart-­Home-System ein. 'markt intern' Elektro-Installation (miEI) wirft für Sie einen Blick darauf.

Uwe Fischbach
Foto: Kopp
Uwe Fischbach

Uwe Fischbach, Leiter Bereich Smart Home/Smart Building bei Kopp, erläutert im Gespräch mit 'miEI' die wichtigsten Eckdaten: „Die aktuelle Entwicklungsstufe ist Bluetooth 5. Mit ihr wurde Bluetooth zu einem reichweitenstarken und zuverlässigen System: Es hat eine vierfach höhere Reichweite als Bluetooth 4, es kann auf Basis einer Frequenz von 2,4 GHz Komponenten bis zu 200 Meter im Freien und 40 Meter Entfernung im Gebäude verbinden. Zudem kann es, ein Mesh-Netzwerk mit verschiedenen Zugangspunkten im gesamten Gebäudebereich einrichten. Dadurch ist eine konstant hohe Übertragungsqualität gewährleistet. Die Übertragungsgeschwindigkeit selbst liegt bei bis zu 2 MBit/s. Ein solches Netz benötigt zunächst kein zentrales Steuerungsgerät in Form eines Gateways. Die Steuerungsfunktionen werden in die einzelnen Smart Devices verlagert, die untereinander kommunizieren. Fällt eine Verbindungsmöglichkeit aus, nehmen die Geräte einen anderen Verbindungsweg. Das heißt konkret: In einem solchen Mesh-Netzwerk befindet sich kein einziger Ausfallpunkt, der im Falle einer Störung das gesamte System lahmlegen könnte.“

Mit anderen Worten: Mit der Einführung von Blue Control setzt Kopp alles daran, zentrale Eigenschaften von Bluetooth 5 zu nutzen. Das System bietet die klassischen Funktionen wie Unterhaltung, Komfort und Sicherheit. Zentrales Merkmal von Blue Control ist unter anderem die Möglichkeit eines niederschwelligen Einstiegs: So können Smart-­Home-Einsteiger zunächst mit einem Aktor beginnen und das System dann – mit zunehmendem Gesamtverständnis – nach und nach erweitern. Unter anderem auch deshalb, weil die Anschaffung eines Gateways zunächst nicht erforderlich ist, um Komponenten miteinander zu vernetzen.

Die Updatefunktion der Home-Connect-­App hält die Firmware aller ins Bluetooth-Netz eingebundenen Geräte auf aktuellem Stand.
Die Updatefunktion der Home-Connect-­App hält die Firmware aller ins Bluetooth-Netz eingebundenen Geräte auf aktuellem Stand.

Kopp adressiert Blue Control als Profianwendung für das Fachhandwerk. Andere Vertriebswege sind nicht vorgesehen. Damit kann ein elektrotechnischer Fach­betrieb seinen Kunden eine  professionelle  modular erweiterbare und  maßgeschneiderte Smart-Home-­Lösung aus einem Guss bieten. Verlässlich, aber von der Komplexität und vom Investitionsvolumen her unterhalb des High-End-Segments. Mit Blue Control erhebt Kopp den Anspruch, dass Elektroinstallateure das System unter moderatem Aufwand installieren und einrichten können.

Durch seine zahlreichen Funktionen und die Möglichkeit des modularen Ausbaus eignet sich Blue Control laut Kopp als „smarte Lösung sowohl für das Eigenheim als auch für Mehrfamilienhäuser, Bürogebäude, Hotels oder den gewerblichen und industriellen Bereich“. Ab der Ausbaustufe mit Home Server lässt Blue Control sich zu einem ganzheitlichen Smart ­Home mit umfassendem Energiemanagement entwickeln. Hinzu kommen außerdem folgende Anwendungsmöglichkeiten:  Eine Vernetzung aller in­stallierten Komponenten im Gebäude, auch von Rauchwarn- und CO-Meldern und Jalousiewindwächtern  eine sonnenstandsgeführte Beschattung unter Berücksichtigung der Ausrichtung des Gebäudes, von Dachüberstand und der gewünschten Raumtemperatur  eine Anwesenheitssimulation von Licht über Rollladen bis hin zum Abspielen von Musik  die Einbindung von Onlinewetterdaten in Verbindung mit Schaltfunktionen  die Gartenbewässerung mit Bewässerungsprogramm und logischen Verknüpfungen bis hin zu einem  dynamischen Lastmanagement.

Gesteuert wird Blue Control über die zugehörige Home­Connect-App via Smartphone oder Tablet. Mit der App können alle Komponenten im Mesh-Netz – auch Knoten genannt – ­bedient und mit unterschiedlichen Szenarien individuell an Nutzerbedürfnisse angepasst werden. Die Updatefunktion der App hält die Firmware aller ins Bluetooth-Netz eingebundenen Geräte auf aktuellem Stand. Notwendige Aktualisierungen werden automatisiert vorgenommen und müssen nicht vom ­Benutzer bzw. dem Fachhandwerker manuell angeordnet werden. Gab es bei der Installation eines Updates einen Fehler, wird es rückgängig gemacht. Die App zeigt neue, noch nicht mit einem Netzwerk verbundene Geräte an. Diese lassen sich dann per Fingerdruck zu dem Netzwerk hinzufügen.

„Die dezentrale Intelligenz von Blue Control erlaubt es, in einem Gebäude mehrere separate, interferenzfreie Bluetooth-­Netzwerke mit einem hohen Smart Readiness Indicator einzurichten“, erläutert Uwe Fischbach im Gespräch mit miEI. Zeiteinstellungen, Szenen, Gruppen und Schaltinformation seien im jeweiligen Aktor gespeichert. Ein 'Smart Readiness Indicator' bewertet die Fähigkeit eines Gebäudes, mit Nutzer und Netz zu interagieren sowie dessen Betrieb energieeffizient zu regeln.

Blue Control kann in Neubauten ebenso implementiert werden wie bei Renovierungen von Bestandsgebäuden: Eine zentrale Rolle spielt hier der intelligente Schalter 'Hybrid Smart Switch': ein elek­tronischer Multifunktionsschalter mit Bluetooth-5-Mesh-­Funktechnologie. Dazu wird ein vorhandener konventioneller Schaltereinsatz gegen den Hybrid Smart Switch ausgetauscht und mit der bereits vorhandenen Wippe abgedeckt.

An Schaltervarianten gibt es derzeit  den klassischen Schalter für Lichtinstallationen (2-Draht, 1-Kanal bzw. 4-Draht, 2-Kanal)  einen Universaldimmer (2-Draht, 1-Kanal)  einen Rollladen-/Jalousien-/Markisenschalter (4-Draht, 2-­Kanal)  einen 3-Draht-1-Kanal-Schalter und einen Taster (3-Draht, 1-Kanal). Um beim Schalten und Dimmen auf Blue Control switchen zu können, muss kein Neutralleiter (N) in der Schalterdose vorhanden sein.

Sender wiederum hat Kopp derzeit sieben im Portfolio:  einen Universalsender (2-Kanal), zum Anbau an bzw. hinter herkömmlichen Tastern, Schaltern oder Meldern mit potentialfreiem Ausgang  einen Schaltaktor (2-Kanal/4-Draht, 2 Kontakte, 2 x 1.800 W, 2 x 8 A) für LED und konventionelle Leuchtmittel  einen Schaltaktor (1 Kanal, 2-Draht) für LED und konventionelle Leuchtmittel  einen Schaltaktor (1-­Kanal/5-Draht, potentialfreier Wechselkontakt für Schalt­spannungen, 6 bis 230 VAC/DC, max. 3.600 W)  einen Schalt­aktor (1-Kanal/3-Draht, 1 Schaltkontakt, max. 3.600 W) für LED und konventionelle Leuchtmittel sowie  einen Schaltaktor (2-Kanal/4-Draht, Serienschalter, 2 Kontakte, 2 x 1.800 W, 2 x 8 A) für Jalousien, Rollläden, Markisen.

Alle Schaltvorgänge und Statusabfragen sind auch über die Sprachassistenten von Amazon, Google oder Apple möglich. Dann allerdings ist die Installation eines Gateways oder eines Home Servers notwendig. Via Bluetooth-5-Mesh und unter Einbindung eines Home Servers lassen sich Funk-Komponenten zahlreicher weiterer Hersteller einbinden. Dies führt zu einer signifikanten Erweiterung der Funktionstiefe. Alle mit dem System kompatiblen Produkte von Kopp sind mit dem Zertifizierungs­zeichen 'works with Kopp' versehen. Das Produktportfolio, so Uwe Fischbach, wird sich nach und nach erweitern.

miEI-Fazit: Mit Blue Control können elektrotechnische Fachbetriebe sich in der Gebäudeautomation im mittleren und gehobenen Marktsegment, mit beratungsrelevanten, interoperablen Konzepten für Endkunden profilieren. Der niedrigschwellige Einstieg in die intelligente Gebäudevernetzung kann dem Fachhandwerk Zugriff auf neue Zielgruppen ermöglichen. In erster Linie bei solchen Kunden, die ein grundsätzliches Interesse an Smart-Home-Lösungen haben, sich aber an dieses Thema bisher nicht so recht herangetraut haben. Was halten Sie von derartigen Lösungsansätzen? – Ihre Hinweise nimmt miEI telefonisch unter 0211 6698-298 entgegen. Per E-Mail steht Ihnen Ihr Redaktionsteam unter [email protected] als Ansprechpartner zur Verfügung. Auf Wunsch behandeln wir Ihre Hinweise streng vertraulich – versprochen!

RA Oliver Blumberg
Chefredakteur
Dörte Fleischhauer
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