TV-Beitrag — SV Aulenbach stellt dem Handwerk 'Musterbrief' für Zustandserhebung zur Verfügung

06.04.2021
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'Hier hätten Sie den Einbau eines FI-Schalters empfehlen müssen' – lautet das Fazit eines fragwürdigen TV-Beitrags des Westdeutschen Rundfunks (WDR). Unter der Überschrift 'WDR führt arglose Elektriker aufs Glatteis' berichtete 'markt intern' Elektro-Installation (miEI) in miEI 11/21 erstmals über eine fragwürdige 'Öffentlichkeitsarbeit' des öffentlich-rechtlichen Rundfunks:

Musterschreiben für Zustandserhebung an einer elektrischen Anlage
© Marcel Aulenbach
Musterschreiben für Zustandserhebung an einer elektrischen Anlage

Für einen Beitrag des TV-Magazins 'Servicezeit' engagierte ein Film-Team des WDR einen 'Vereidigten Sachverständigen für Elektro- und Sicherheits­technik'. Als Experte manipuliert der Sachverständige Helmut Meis in einem Reihenhaus der 70er Jahre zunächst die Kaffeemaschine eines Eigenheimlers. Dann werden unterschiedliche Elektriker (ein-)bestellt und mit versteckter Kamera beobachtet. Ihr Auftrag: Fehlerermittlung, Schadensbeseitigung und Präventionsberatung – insbesondere dort, wo die Nachrüstung eines FI-Schalters grundsätzlich sinnvoll, aber aus Gründen des Bestandsschutzes normativ nicht geboten ist. Wenig später treffen die unfreiwilligen 'Versuchskaninchen' ein, prüfen die elektrische Anlage und gelangen zu unterschiedlichen Ergebnissen. Kaum jemand empfiehlt tatsächlich einen FI-Schalter. Freundlich, aber bestimmt spricht der Sachverständige die 'erwischten' Monteure wenig später auf ihre durchwachsene Bilanz an. Und was geschieht?

Anstatt sich zu verteidigen, bleiben die Fachkräfte wortkarg. Einige schauen beschämt auf den Boden. Was miEI den betroffenen Elektrikern in dieser Situation am liebsten zugerufen hätte, konnten regelmäßige Leserinnen und Leser bereits erfahren (vgl. miEI 11/21). Heute möchten wir Ihnen die Sichtweise eines weiteren Experten schildern. So erreicht uns kurz vor Redaktionsschluss aus Aschaffenburg die nachfolgend aufgeführte Stellungnahme von Marcel Aulenbach:

„Liebes 'markt intern'-Team, herzlichen Dank für den Artikel über den TV-Beitrag des WDR-Magazins Servicezeit vom 8. März 2021. Ich persönlich mag grundsätzlich keine TV-Formate, bei denen Handwerker auf's Glatt­eis geführt werden. Wenn es dann auch noch um Elektriker geht, kommt natürlich noch die 'Stallsympathie' und etwas Adrenalin hinzu. Ich frage mich: 'Was war die Erwartungshaltung der 'TV-­Polizei' im Nebenzimmer? Bis der Kollege Meis die Situation aufgelöst hat, war mir nicht klar, welche Anforderungen die TV-Macher an den jeweiligen Elektriker stellen möchten. Bestandsschutz? – Alles gut, die elektrische Anlage kann so weiter betrieben werden. Die vorgeführten Kollegen wollten ihren Endkunden nichts aufschwatzen und dazu die große 'Sicherheitskeule' ausgraben. Natürlich ist unser Gewerk sicher­heits- und systemrelevant! Aber worum geht es bei einem sicherheitsre­levanten Gewerk? Schnell den Fehler zu finden und den Ursprungszustand wieder herzustellen, damit der Kunde so weitermachen kann wie die letzten 50 Jahre? Oder dem Kunden zu erklären, dass er eine elektrische Anlage hat, an der 50 Jahre nichts gemacht wurde? Und, dass die Anlage nicht mehr den aktuellen anerkannten Regeln der Technik entspricht?

Aus der täglichen Praxis weiß ich sehr genau: Meine Elektriker-Kollegen auf der Piste sind in der Lage, die letzte Schraube in einem Aktor zu programmieren – es liegt aber nicht im Naturell eines Vollbluttechnikers, mit dem Kunden eine Diskussion über seine alte Anlage zu führen. Zunächst einmal geht es immer darum, in einer elektrischen Anlage den Fehler zu finden, der eine oder mehrere Funktionsstörungen verursacht. Jetzt kommt wieder der Kollege Meis oder auch ich, Marcel Aulenbach, ins Spiel. Es ist doch die Aufgabe derer, die vorneweg laufen und so tun als hätten sie Ahnung, Endverbraucher und Elektriker entsprechend zu sensibilisieren und Hilfsmittel an die Hand zu geben, um die Situation zu klären.

Marcel Aulenbach
Foto: 'markt intern'
Marcel Aulenbach

Seit Jahren zerbreche ich mir über genau diese Problematik den Kopf. Natürlich möchte ich als Elektriker auf meine Lösungen hinweisen. Denn diese sind fast immer eine Antwort auf die täglichen Fragen, mit denen Elektriker in der Praxis zuvor konfrontiert worden sind. Anstatt Kameras im Nebenzimmer aufzubauen, setze ich persönlich lieber auf konkrete Hilfsmittel, die ich beispielsweise den Nutzern meiner Planungs- und Normen-Apps (Sonepar-'E-Helfer-App', 'Gira-Aktiv-Partner-App', 'BfE Xpert' und 'TGA Xpert') zur Verfügung stelle. So haben wir vor geraumer Zeit ein Dokument zum Download gestellt, um solche Situationen, wie sie in dem TV-Beitrag dargestellt werden, zu meistern. Ich kann nur allen Kollegen empfehlen, in vergleichbaren Fällen auf unser Musterschreiben zur Dokumentation einer Zustandserhebung zurückzugreifen. Das Schreiben wurde exakt für solche Situationen entwickelt. Letzten Endes kann es nur darum gehen, für den Endkunden eine solche qualifizierte Zustandserhebung durchzuführen. Anschließend ist der Endkunde über die Resultate zu informieren. In dem bereits erwähnten Musterschreiben zur Dokumentation erfährt der Kunde unter anderem etwas über die Anzahl der Stromtoten, die es in Deutschland aufgrund der Nutzung veralteter elektrischer Anlagen seit 1958 gegeben hat. Zusätzlich führen wir die Anzahl der Stromtoten auf, die auf die Nutzung einer elektrischen Anlage aus jenem Baujahr zurückzuführen sind, die der Elektriker bei seinem Kunden vorfindet.

Die Erfahrung zeigt: Die meisten Endkunden reagieren auf diese Form der Informationsvermittlung positiv. Meistens kommt dann sofort die Frage: 'Das wollen wir nicht, was können wir tun? Bitte versetzen Sie die Anlage in einen sicheren Zustand.'

Ich möchte weder die auf das Glatteis geführten Firmen, noch den Kollegen Helmut Meis kritisieren. Irgendwie hat jeder '­alles richtig' gemacht. Trotzdem fühlt es sich falsch an. Am Ende hat der Kunde vielleicht einen Fernseher für zigtausend Euro an der Wand hängen. Aber letzten Endes hätte manch ein Kunde sein Geld wohl besser in die Ertüchtigung der elektrischen Anlage gesteckt – wenn er es denn gewusst hätte ...! – Mit freundlichen Grüßen aus Aschaffenburg, Marcel Aulenbach, Sachverständigenbüro für Elektrotechnik.“

Puh, nach so viel fachlichem Input wird manch einer erst einmal tief durchatmen müssen. Marcel Aulenbach, Inhaber eines Sachverständigenbüros und zugleich öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger für Elektrotechnik der Handwerkskammer Unterfranken, ist in der Branche unter anderem durch seine am Markt etablierten Planungs- und Normen-Apps bundesweit anerkannt. Mit ihm hat das Elek­trohandwerk einen streitbaren Experten an seiner Seite. Als glaubwürdiger 'Normen-Papst' unterstützt er gemeinsam mit seinen Mitarbeitern seit vielen Jahren unzählige Fachbetriebe. Erfolgreich ist er auch deshalb, weil er im Gegensatz zu vielen anderen Technik-Experten die 'Sprache des Elektrikers' beherrscht. Dies zeigt sich nicht nur im persönlichen Dialog, sondern auch an den zahlreichen leicht verständlichen und zugleich fachlich fundierten Hilfsmitteln für das Elektrohandwerk.

Der erwähnte Musterbrief 'Zustandserhebung der elektrischen Anlage' steht ab sofort auch allen miEI-Leserinnen und Lesern kostenlos zur Verfügung. Neugierig geworden? – Wenn ja, dann berufen Sie sich in Ihrer E-Mail an [email protected] auf das Stichwort 'Musterbrief Zustandserhebung'. Bei Angabe der vollständigen Postanschrift Ihres Unternehmens senden wir Ihnen Ihr persönliches Exemplar umgehend zu – miEI bleibt für Sie dran'!

RA Oliver Blumberg
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