Haftet der Mitegro-Großhändler Gäfgen in Höhe von 1,7 Millionen € für preisaggressive Online-Portale?

06.10.2020
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„Das Durchreichen gigantischer Projektrabatte an endverbraucherorientierte Online-Portale wäre aus Sicht des Mitegro-­Großhändlers Gäfgen unter folgender Bedingung plausibel: Bei den jeweiligen Online-Portalen müsste es sich um Strohmänner oder Strohfrauen handeln, die nur deshalb offiziell auf den Plan treten, um einen faktischen – extrem preisaggressiven – Direktvertrieb des Großhändlers an private und gewerbliche Endverbraucher zu verschleiern“ , mit diesem Kommentar bringt ein aufmerksamer Leser von 'markt intern' Elektro-Installation (miEI) Überlegungen auf den Punkt, die andere Branchenbeobachter vielleicht auch schon angestellt haben. Sie erinnern sich:

Screenshot: https://www.gaefgen.de/wir-ueber-uns/unternehmen
Screenshot: https://www.gaefgen.de/wir-ueber-uns/unternehmen

'Wie bewerten Sie die Einschätzung jener Marktbeobachter, die davon ausgehen, dass projektbezogene Sonderrabatte von der Gäfgen Elektrogroßhandel GmbH seit Jahren immer wieder zweckentfremdet und direkt an die Betreiber endverbraucherorientierter Bezugsquellen 'durchgereicht' werden?' – Vor wenigen Wochen erhielt die Gäfgen-Geschäftsführung zu dieser Frage eine Gelegenheit zur Stellungnahme. Beantworten wollten die beiden Geschäftsführer Christof Goebels und Dirk Brötz diese Frage nicht.

Nun gut, wir leben in einem freien Land! Genau deshalb steht es aber auch jeder Bürgerin und jedem Bürger zu, sich aus frei zugänglichen Quellen zu informieren. Wer dann die Grundrechenarten halbwegs beherrscht, kann für sich selbst überlegen, ob er oder sie es sich zutraut '1+1' zusammenzuzählen. Fahren wir deshalb fort mit …

unwiderlegbaren Fakten – In den Jahren 2017 und 2018 erzielte die Gäfgen Elektrogroßhandel GmbH gigantisch anmutende Umsatzzuwächse. Allein im Jahr 2017 erzielte der Mitegro-Großhändler nach eigenen Angaben ein Umsatzplus von mehr als 20 % (vgl. miEI 35/20). Dem Jahresabschluss 2018 der Gäfgen Elektrogroßhandel GmbH ist außerdem zu entnehmen: „Die Gäfgen Elektrogroßhandel GmbH haftet für Bankverbindlichkeiten zweier nahestehender Unternehmen in Höhe von insgesamt T€ 605 durch Sicherungsübereignung ­ihres Warenlagers und Forderungsabtretungen. Des Weiteren besteht eine Bürgschaft über T € 400 der Gäfgen Elektrogroßhandel GmbH für ein nahestehendes Unternehmen. Im Rahmen einer der Gäfgen Elektrogroßhandel GmbH und einem nahestehenden Unternehmen eingeräumten Kreditlinie von T € 700 haftet die Gäfgen Elektrogroßhandel GmbH gesamtschuldnerisch.“

Mit anderen Worten: Der Mitegro-Großhändler Gäfgen haftet nach eigenen Angaben in vier (!) Fällen für den wirtschaftlichen Erfolg „nahestehender Unternehmen“. Das öffentlich publizierte Gesamtvolumen der Haftungsübernahmen liegt bei 1.705.000 € (T€ 605 + T€ 400 + T€ 700). 'Warum ist die Gäfgen Elektrogroßhandel GmbH bereit, für vier verschiedene nahestehende Unternehmen ein Haftungsvolumen von insgesamt 1,7 Millionen € zu übernehmen?' – Dazu wollte sich die Gäfgen-Geschäftsführung auf ausdrückliche miEI-Anfrage nicht äußern.

Pure Nächstenliebe gegenüber den jeweiligen „nahestehenden Unternehmen“ wird es nicht sein! Wer sich bereit erklärt, für die Geschäftsrisiken anderer Unternehmen eine Haftung im 7-stelligen (!) Bereich zu übernehmen, der wird ein unmittelbares Interesse am wirtschaftlichen Erfolg des jeweiligen „nahestehenden Unternehmens“ haben. Auch darüber, wer mit „nahestehend“ in dem genannten Sinne gemeint sein könnte, schweigt Gäfgen sich auf ausdrückliche Nachfrage von 'markt intern' Elektro-Installation aus.

Screenshot vom 6. Oktober 2020
Screenshot vom 6. Oktober 2020

Beobachtungen aus dem Marktumfeld – Immer dann, wenn der Branchenöffentlichkeit relevante Hintergrundinformationen vorenthalten werden, rücken bei der Wahrheitssuche andere Faktoren in den Vordergrund. Gemeint sind ganzheitliche Beobachtungen aus dem jeweiligen Marktumfeld. In dieser Hinsicht kann miEI seinen Leserinnen und Lesern mit den nachfolgend recherchierten Fakten möglicherweise den einen oder anderen Denkanstoß mit auf den Weg geben:

Verleiht man dem Begriff „nahestehend“ eine geografische Note, dann landet man relativ schnell bei der Vokabel 'naheliegend' – im geografischen Sinne: Ein Blick auf das regionale Einzugsgebiet des Gäfgen-Standorts in Marienberg zeigt: Die offiziellen Firmensitze der endverbraucherorientierten Online-Portale  Tandmore.de  Elektrowelt-zwickau.de  rb-elektroshop.de und der als Großhandelsunternehmen firmierende  E. L. S. Elektrogroßhandel befinden sich – ähnlich wie der Gäfgen-'Standort Marienberg' – alle vier (!) im regionalen Einzugsgebiet des DHL-Paketzentrums Neumark.

Beim Kampf um den konkurrenzlos günstigsten Abgabepreis sind es häufig genau diese Portale, die einen erheblichen Teil ihrer Konkurrenten weit hinter sich lassen. Technisch unbedarfte Privatkunden profitieren im Online-Handel oftmals von Bezugskonditionen, nach denen sich ein durchschnittlicher elektrotechnischer Fachbetrieb bei dem Großhändler seines Vertrauens vergeblich die Finger leckt.

Denkbare Fallgestaltung – Wenn die von Gäfgen bisher nicht bestätigte Weitergabe gigantischer projektbezogener Sonderrabatte tägliche Praxis sein sollte, muss es zwangsläufig Portale geben, die davon profitieren. Gut denkbar, dass es sich bei den offiziell eigenständigen Portalen  Tandmore.de  Elektrowelt-zwickau.de  rb-elektroshop.de und bei dem als Großhandelsunternehmen firmierende  E. L. S. Elek­trogroßhandel ganz oder teilweise vor allem um eines handelt: Um einen verlängerten Arm der Gäfgen Elektrogroßhandels GmbH. Wäre dies der Fall, dann läge das wirtschaftliche Risiko der genannten Unternehmen ganz oder teilweise bei Gäfgen, obwohl jedes einzelne Unternehmen offiziell von scheinbar unabhängigen und autark handelnden Personen geleitet werden. Gibt es Anhaltspunkte für diese Theorie?

Eine E. L. S. Verwaltungs GmbH ist nicht nur 100%iger Alleingesellschafter bei elektrowelt-zwickau.de, sondern auch bei rb-elektroshop.de. Alleingesellschafter der E.L.S. Verwaltungs GmbH ist der 53-jährige Sven Elsner. In offiziell zugänglichen Firmenregistern ist die genannte natürlich Person für alle drei Unternehmen als Geschäftsführer benannt: Außerdem gibt es noch den offenbar inhabergeführten E.L.S. Elektrogroßhandel. Dieser wird ebenfalls durch Sven Elsner vertreten. Eine Person, vier Unternehmen – sind dies jene Firmen, die Gäfgen in seinem Jahresabschluss als „nahestehende Unternehmen“ bezeichnet?

Wenn ja, dann hätte Gäfgen gute Gründe, die Namen der nahestehenden Unternehmen zu verschweigen. Schließlich sind es unter anderem die von Sven Elsner geführten Portale, die dem mittelständischen Fachhandwerk durch ihre extrem aggressive Preisgestaltung seit Jahren erheblich zusetzen. Und irgendwo müssen die augenscheinlich unterirdischen Bezugskonditionen herkommen, mit denen Sven Elsner dem installierenden Fachhandwerk regelmäßig in die Parade fährt. Sollte Gäfgen für die Unternehmungen des Sven Elsner tatsächlich mit 1,7 Millionen € haften, dann hält sich das persönliche Risiko des Unternehmers Sven Elsner in Grenzen. Gleichzeitig wäre dies aus Sicht des grundsätzlich fachhandwerksorientierten Großhändlers Gäfgen ein Verrat an seiner primären Zielgruppe – dem installierenden Fachhandwerk! Es wären genau diese Verflechtungen, die es Sven Elsner in betriebswirtschaftlicher Hinsicht erlauben würden, sich beim Kampf um den günstigsten Online-Preis – gemeinsam mit einigen wenigen anderen Unternehmern – an die Speerspitze der Bewegung zu setzen.

Eine Theorie, die Ihnen plausibel erscheint? Eine entsprechende redaktionelle miEI-Anfrage an Sven Elsner blieb bis zum Redaktionsschluss dieser Ausgabe unbeantwortet. Ihre Sichtweise nehmen wir gerne entgegen. Auf Wunsch behandeln wir Ihre Hinweise streng vertraulich!

RA Oliver Blumberg
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