Neue Festool-Fertigung: Größere Mengen, mehr Flexibilität, geringere Teuerung

16.09.2021
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Verfügbarkeit ist das Branchenschlagwort des Jahres, das uns sicherlich darüber hinaus noch begleiten wird. Abgesehen von punktuellen Beeinträchtigungen ist unterm Strich im Vorteil, wer Produktionsstätten in Deutschland betreibt. Die Tooltechnic Systems-Gruppe hat just dieser Tage einen neuen, von langer Hand geplanten Festool-Fertigungsstandort in Weilheim an der Teck eröffnet! 'markt intern' hat die Eröffnung zum Anlass genommen, um in einem Hintergrundgespräch mit René Kruk, Festool-Geschäftsführer DACH, konkrete Details und Vorteile für den Fachhandel in Erfahrung zu bringen.

René Kruk
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René Kruk

Ca. 15 km Luftlinie trennen den Festool-Firmensitz in Wendlingen vom Neubau in Weilheim an der Teck. Der Baggerbiss für das insgesamt 10.000 m2 große Gebäude erfolgte im ­Februar 2020, im Mai 2021 konnten die Bauherren die Fertigstellung vermelden und den Innenausbau beginnen. Der Umzug der rund 300 Mitarbeiter ging unlängst über die Bühne: „Am 6. September wurde pünktlich nach eineinhalb Jahren Bauzeit das neue Büro- und Montagegebäude der TTS-Gruppe in Weilheim, am Aufstieg zur Schwäbischen Alb an der Autobahn A8, in Betrieb genommen. Auf rund 8.500 m² bietet das Gebäude flexibel nutzbare Flächen für die Montage unserer Werkzeuge. Direkt daran angrenzend werden auf drei Etagen die administrativen Funktionen wie auch die Sozialräume untergebracht“, informiert uns Festool-­Geschäftsführer René Kruk.

Effizienz ab Werk: Logistik-Montage-Einheit

Die Entscheidung für den Bau ist lange vor den pandemischen Auswirkungen auf Beschaffung, Produktion und Logistik gefallen. Dennoch kam eine Auslagerung der Fertigung z. B. ins kostengünstigere europäische Ausland offensichtlich nicht in Frage. „Passend zu unseren unternehmerischen Wurzeln investieren wir gezielt hier in Deutschland“, bestätigt der Geschäftsführer und erläutert: „Mit diesem Gebäudekomplex ergänzen wir das hochmoderne Produktionslogistikzentrum mit seinen 6.500 m² aus dem Jahr 2017 und bilden damit eine Einheit aus Logistik und Montage an einem Standort.“ Das liegt direkt an der neu erschlossenen Fläche an und wird nun mit dem bisherigen Montagestandort im knapp 10 km entfernten Neidlingen zusammengeführt. Die dort ansässige Montage wurde komplett nach Weilheim verlagert, „Ende August ging nach 69 Jahren Fertigung mit einem Deltaschleifer DTS 400, der unserem Museum übergeben wurde, eine Ära zu Ende.“


Einheit: Die vor wenigen Jahren eingeweihte Logistik (hinterer Gebäudeteil) grenzt direkt an die neue Montagehalle mit Bürokomplex
© Festool
Einheit: Die vor wenigen Jahren eingeweihte Logistik (hinterer Gebäudeteil) grenzt direkt an die neue Montagehalle mit Bürokomplex

Das Aus für die traditionsreiche Fabrik bedeutet das aber nicht, ganz im Gegenteil: „In Neidlingen verbleiben, nach einer umfassenden Modernisierung, die zerspanende Fertigung, der Motoren- und Werkzeugbau sowie das Ausbildungszentrum.“ Die nun erfolgte Zusammenlegung ermögliche eine schlanke und flexible Fertigung. „Darüber hinaus wollen wir die Teilautomatisierung der Materialbewegungen mittels fahrer­losen Transportsystemen zwischen Lager und Montageinseln etablieren. Auch die Senkung der Energiekosten für die Beheizung und Kühlung verfolgen wir konsequent mit dem Neubau. Hier unterstützt uns eine moderne Wärmepumpe, die durch die eigene Photovoltaikanlage gespeist wird.“ Durch die positive Energiebilanz sei die Produktion deutlich nachhaltiger, „was gerade in Zeiten des Klimawandels insgesamt unserer Umwelt zugutekommt.“ Nachhaltige Produktion steht bei der Werkzeugbeschaffung sicher nicht ganz oben auf der ­Liste, wird aber zunehmend als Selbstverständlichkeit erachtet.

Steckbrief TTS Festool-Fertigungsanlage in Weilheim a. d. Teck


Der letzte Neidlinger: Delta­schleifer DTS 400
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Der letzte Neidlinger: Delta­schleifer DTS 400

 Um rund 10.000 m2 Gesamtfläche verstärkt die Festool GmbH als Teil der TTS-Gruppe ihren Fertigungsstandort Deutschland  Der 12 m hohe und ca. 100 m lange Neubau in Weilheim a. d. Teck umfasst neben der 8.500 m2 großen Montage­halle ein vierstöckiges Bürogebäude für Mitarbeiter der produktionsnahen Bereiche wie z. B. Fertigungssteuerung, Qualitätsmanagement und Disposition sowie eine Kantine  Eine auf dem Dach der Montagehalle installierte Photovoltaik-Anlage mit einer Leistung von 600 kWp liefert Strom für die Produktion und trägt zur positiven Energiebilanz bei  Der Baggerbiss erfolgte Mitte Februar 2020, im Mai 2021 wurde das Gebäude fertig­gestellt  Die Inbetriebnahme durch rund 300 Mitarbeiter fand offiziell am 6. September 2021 statt  In unmittelbarer Nähe hat Festool bereits vor zwei Jahren ein neues Logistikzentrum eingeweiht  Der bisherige Produktionsstandort in Neidlingen wird umfassend modernisiert und bleibt u. a. für die zerspanende Fertigung und als Ausbildungszentrum bestehen.

Marktvorteile: Flexibel, schnell — und konditionsstabil

Im Vordergrund stehen letztendlich Marktvorteile, auch für den Fachhandel. Und der Nutzen für die Anwender: „Die Fertigung unserer Werkzeuge wird aufgrund der zusätzlichen Fläche an deutlich mehr Produktionsinseln stattfinden können. Dies erlaubt – immer vorausgesetzt, dass ausreichend Komponenten zur Verfügung stehen – deutlich höhere Produktionsmengen und eine flexiblere Priorisierung einzelner Maschinentypen. Aufgrund der zuletzt enorm gestiegenen Nachfrage nach unseren Produkten kommt dieser Schritt genau zur richtigen Zeit.“ Die Qualität der Fertigung entspreche weiterhin den gewohnt hohen Festool-Standards. „Die höhere Fertigungsmenge sollte für Anwender und natürlich auch für den Fachhandel die zum Teil langen Wartezeiten auf einzelne Produkte verkürzen. Dies wird angesichts der gerade erst erfolgten Inbetriebnahme noch nicht über Nacht, aber in naher Zukunft deutlich spürbar sein“, verspricht der Festool-Manager.

Explizit zu den Mehrwerten in der Zusammenarbeit mit dem Fachhandel befragt, hebt er neben den Zeit-, die Einkaufsvorteile hervor: „Unsere Fachhändler profitieren besonders von ihren stabilen Festool-Einkaufspreisen. Wir haben vor den Sommerferien, entgegen der Vorgehensweise vieler Marktbegleiter, auf Teuerungszuschläge jedweder Art für 2021 verzichtet. Zudem vereinfachen wir, wie schon in 'mi' berichtet, für das kommende Jahr unser europaweit harmonisiertes Preis- und Konditionssystem nochmals deutlich und machen es für unsere Systempartnerhändler noch attraktiver.“

Ausblick: Höhere Nachfrage, neue Produkte

2022 ist ein gutes Stichwort: Wie sieht der Blick in die Festool-Glaskugel aus? „Wir gehen davon aus, dass die Nachfrage nach Festool-Produkten auch in den nächsten Jahren weiterhin zunehmen wird“, zeigt sich René Kruk optimistisch. Der Neubau unterstreicht diese Prognose, „entsprechend werden wir auch zukünftig unsere Produktionskapazitäten anpassen“. Platzreserven wurden bei der Planung bereits berücksichtigt. Von 'mi' nachgehakt, welche neuen Produktbereiche in den Weilheimer Hallen Einzug finden werden, hält der DACH-Chef den Spannungsbogen aufrecht, erlaubt aber einen kurzen Ausblick: „Natürlich arbeiten wir bei Festool an der Zukunft und damit auch an neuen Produkten. Konkret ankündigen möchte ich an dieser Stelle aber noch nichts. Nur so viel sei gesagt: wir werden ab Januar 2022 eine ganze Reihe neuer Festool-18-Volt-Produkte bekommen, an deren Vermarktung unsere Fachhändler sicherlich sehr viel Freude haben werden.“

'mi'-Fazit:  Die Investition in den Standort Deutschland trifft den Nerv der Zeit – und den Bedarf von Händlern und Anwendern  Der Umzug ist voll­zogen, die Fertigung in Weilheim ist angelaufen  Vorerst kann es noch zu Verzögerungen kommen – stets auch in Abhängigkeit von der Liefersituation der Vorprodukte  Die erste Probe aufs Exempel steht für das kommende Jahr an, wenn ein erweitertes 18-V-­Line-up aus der Logistik-Montage-­Einheit an den Handel ausgeliefert wird.


„Höhere Produktionsmengen, flexiblere Priorisierung, verkürzte Wartezeit“: Die Produktion in der modernen Fertigungshalle ist angelaufen und direkt mit dem Logistikstandort verbunden
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„Höhere Produktionsmengen, flexiblere Priorisierung, verkürzte Wartezeit“: Die Produktion in der modernen Fertigungshalle ist angelaufen und direkt mit dem Logistikstandort verbunden
Robin Meven M.A.
Chefredakteur
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