Lokal betrachtet: Schumm & Vornwald zur 1a-Fachwerkstatt ausgezeichnet

12.05.2021
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Gratulation nach Bad Brückenau! Der Motoristik-Fachbetrieb Schumm & Vornwald durchlief bereits vor einigen Wochen erfolgreich das Bewerbungsverfahren zur 1a-Fachwerkstatt und konnte mit dem Siegel in die Außenwerbung starten. Die offizielle Urkundenübergabe fand in der vergangenen ­Woche am Unternehmenssitz im Beisein von Jochen Vogel, 1. Bürgermeister der Stadt Bad Brückenau, statt. 'mi' nutzt den Vor-Ort-Termin an der bayerischen Rhön für einen Austausch mit Geschäftsführerin Stefanie Schumm über die Bedeutung von kundennahen Service-und Dienstleistungen, lokalem Marketing und ­Kooperationen unter Fachhandelsbetrieben.

Zunächst möchten wir natürlich wissen: Wie setzt das Familienunternehmen Gütesiegel wie die 1a-Auszeichnung (Schumm & Vornwald ist außerdem QMF-zertifiziert und wurde zum Motorist des Jahres 2020 ausgezeichnet) ein – und wie ist die Resonanz der Kunden? Die rund 7.000 Einwohner des Städtchens an der Sinn und die aus dem weiteren Umfeld kennen den seit drei Generationen dort verwurzelten Betrieb in der Regel. Das ist für die Geschäftsführerin aber kein Grund, stehen zu bleiben: „Natürlich machen sich unsere Kunden direkt vor Ort einen Eindruck von unserer Werkstatt und der Leistung, die wir abliefern. Wenn ich von mir ausgehe, gibt es aber sicherlich auch Kunden, die wenig bis keine Vergleiche haben! Daher finde ich Auszeichnungen wie die 1a-Fachwerkstatt, vor allem in Verbindung mit den veröffentlichten Kriterien, eine super Sache für Fachbetriebe. So haben wir ein gutes Argument für Neukunden an der Hand: Wir können, was Onlinehandel und Großfläche nicht können! Bestehende Kunden erfahren dadurch, dass wir nicht stehen bleiben. Die Logos auf Briefpapier, dem Webauftritt und im Schaufenster sind für jeden ersichtlich. In Angeboten weise ich immer häufiger auf unseren 'Service in den nachfolgenden Nutzungsjahren' hin und ich denke, dass dies auch gelesen wird. Die Resonanz in den sozialen Medien auf unsere 1a-Auszeichnung hat meine Erwartungen jedenfalls übertroffen! Und es wurde nicht nur 'geliked', sondern aktiv auch Komplimente ausgesprochen – das hat mich sehr gefreut.“

Alleinstellung wird mit zunehmendem Druck seitens Online­handel und Großvertriebsformen immer wichtiger. Individuelle Leistungsmerkmale – zu neudeutsch USP (Unique Selling Proposition) – dienen der Kundenansprache und tragen zum Ergebnis bei. Mit einem hauseigenen Werkstatt- und Serviceteam haben Motoristen in der Regel ein Pfund an der Hand, mit dem sie selbstbewusst auftreten können. Aber auch im qualifizierten Dienstleistungs- und After-Sales-­Geschäft gibt es Wettbewerb. Schumm & Vornwald hat sich mit der Werkstatt weiter spezialisiert:

„Das ist heute mittlerweile unsere Haupt-Einnahmequelle, würde ich sagen. Neugeräte kaufen kann man ja an jeder Ecke. Aber für eine gute Werkstatt und ein gut sortiertes Ersatzteillager fahren unsere Kunden mittlerweile an die 40 bis 50 km (einfache Fahrt). Unser Vorteil ist, denke ich, dass wir spezialisiert sind auf Kleinmotoren. Daher passt die Auszeichnung zur 1a-Fachwerkstatt super in die Zeit.“

Werkstattleiter Daniel Schumm (2. v. l.) und sein Serviceteam ­erhalten die 1a-Auszeichnung von Robin Meven ('markt intern', li.) im Beisein von Bürgermeister Jochen Vogel (re.).
Werkstattleiter Daniel Schumm (2. v. l.) und sein Serviceteam ­erhalten die 1a-Auszeichnung von Robin Meven ('markt intern', li.) im Beisein von Bürgermeister Jochen Vogel (re.).

Mit der Zeit ändert sich auch der Vertriebsansatz für Dienstleistungsangebote. Als Sümo-Mitglied gehörten die Unterfranken zu den Pilotbetrieben des im April in den Live-­Betrieb übergegangenen Digitalkonzepts der Neu-Ulmer Kooperation (EWG 11/21). Ein wesentlicher Baustein des Online-Konzepts ist die Stärkung und Vermarktung des individuellen Dienstleistungsangebots der Fachhandelspartner. Für Stefanie Schumm ist das ein wichtiger Schritt, der den lokalen Kontakt ergänzt: „Service und Dienstleistung werden in Zukunft auch über unsere Website zu buchen sein. Hier haben wir noch keine Erfahrungswerte, da die neue Seite erst seit kurzem live ist. Das ist ein Schwerpunkt und ich möchte diese Option meinen Kunden anbieten. Jedoch wird es derzeit (und noch einige Zeit vermutlich) nur von dem geringeren Teil der Kunden angenommen. Die meisten (älteren) Kunden suchen immer noch den persönlichen Kontakt. Das ist für mich eine Chance, vor allem jüngere Kunden online zu erreichen, mögliche Probleme werden sich noch zeigen.“ Diese Frage der Kollegin geben wir an Sie weiter: „Hier ist sicherlich interessant, wie es Händler handhaben, die viel mehr Stückzahlen an Rasenrobotern machen als wir. Wie bieten diese ihren Service mit Wintercheck, Einlagerung, Auf- und Abbau an und wie handeln diese das Ganze?“

Das bringt uns zum letzten Punkt: Kooperationen. Diese werden zu Recht immer wieder thematisiert, wenn es um Digitalisierung geht. Aber wie steht es in Zeiten von Corona um Kooperationen zwischen Fachhändlern innerhalb der Branche, aber auch mit anderen Betrieben der Region? „Das müsste man vielleicht individuell sehen“, so die Erfahrung der Motoristin. „Wir haben mit manchen Händlerkollegen guten Kontakt, wir helfen uns gegenseitig z. B. mit ausgefalleneren Geräten, Ersatzteilen etc. In jedem Fall finde ich es angenehm, den Kunden zu vermitteln, dass wir nicht kampflustige Konkurrenten sind, ich denke das hinterlässt einen guten Eindruck. Mit anderen Händlern funktioniert so etwas dann wiederum gar nicht. Dass die Branche einheitlich auftritt und Zusammenhalt und Zugehörigkeit zeigt, finde ich nur gut. So sollte vielmehr »zusammen agiert« werden. Nehmen wir bspw. die höheren Frachtkosten: Ein Händler informiert ­seine Kunden, der andere knallt hingegen weiter munter die Rabatte raus. Das macht einen von beiden unglaubwürdig!“ Ehrliche Worte, die die Geschäftsführerin auch für das Miteinander der ansässigen Unternehmen im Zusammenspiel mit Stadtoberen bzw. städtischen Gesellschaften findet. Denn da gab es in der Vergangenheit Handlungsbedarf. Der zur Auszeichnung anwesende neue Bürgermeister Jochen Vogel mit seinem amtierenden Stadtrat lässt sie auf eine Trendwende hoffen: „Unsere Werbegemeinschaft und wir als »Ortsteil-Händler« hatten nicht den richtigen Kontakt. Das ist mittlerweile ganz anders, weil auch wir uns an Ausstellungen, bei Märkten etc. oder auch an Werbemaßnahmen beteiligen. Die WBB [Werbegemeinschaft Bad Brückenau, Anm. d. Red.] wurde neu aufgestellt, leider hat Corona uns hier einen Strich durch die Rechnung gemacht. Aber ich hoffe, dass diese Gemeinschaft, auch in Verbindung mit unserem neuen Bürgermeister und Stadt­räten, wieder richtig Schwung bekommt. Mich stimmt sehr positiv, dass Herr Vogel so etwas wie 'Friesennetz' auf Facebook ansieht (habe ich ordentlich geliked) und als Idee aufnimmt.“

Lokal-Marktplatz: Friesennetz.de

Auf dem 2020 gegründeten Marktplatz Friesennetz.de haben sich mittlerweile über 100 lokale Fachhändler, Gastronomiebetriebe, Handwerker und regionale Dienstleister aus Nordfriesland zusammengefunden. Das Online-Portal dient nicht nur der Unternehmenspräsentation, sondern ist eine vollumfängliche Verkaufsplattform. Ergänzend dient das Friesennetz als lokaler Event- und Aktionskalender sowie Jobbörse. Technisch realisiert wurde das Projekt über den Anbieter Atalanda. Aus unserer Branche mit dabei sind u. a. KomGaTec Nommsen/Bredstedt, HBK Dethleffsen/Bredstedt, bauXpert Christiansen/Niebüll, Andreas Petersen — Garten­technik & Arbeitskleidung/Niebüll. Letztere sehen Sie übrigens auch in einer Sat.1-Dokumentation zum Thema. Das Youtube-Video finden Sie unter https://t1p.de/sat1-friesennetz.

Dazu, so ehrlich ist Stefanie Schumm zu sich selbst, muss auch Initiative von den Unternehmern kommen. Vielversprechende Ansätze gibt es bereits, z. B. einen Regionalmarkt, Feier­abend-Konzerte oder Ostereiersuche im Stadtpark. „Ein weiteres positives Beispiel: Mal- und Bastelwettbewerb der Kinder für Altenheimbewohner. Hier wurden Gutscheine der örtlichen Betriebe gekauft. Das ist ein guter Anfang, um Leben und Kaufkraft in die Stadt zu bringen.“ Schade, wenn ausgerechnet in dieser Situation Einzelne mit unüberlegten Aktionen die Bemühungen konterkarieren: Eine örtliche Bank verlose Gutscheine für Amazon und andere Onlineversender. „Was ich davon halte, habe ich mitgeteilt … nur leider keine Rückmeldung erhalten.“

'mi'-Fazit:  Wie setzen Sie Ihre Dienstleistungskompetenz ein – lokal und digital? Wie gut funktionieren Kooperationen an Ihrem Standort, wo ist Nachholbedarf? – Teilen Sie uns Ihre Erfahrungen mit an [email protected] Für weitere Anregungen beachten Sie den Infokasten zum ­Thema Friesennetz.de Ist Ihr Unternehmen schon 1a-ausgezeichnet? Mehr Infos direkt in der Redaktion oder unter www.markt-intern.de/1a-auszeichnung Gerne übergeben wir nach erfolgreicher Bewerbung Ihre persönliche 1a-Urkunde vor Ort und informieren in Ihrem Namen Ihren Bürgermeister (optionales Modul).

Robin Meven M.A.
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