Fitnessstudio vom Arbeitgeber:

Ein schönes Lohnplus!


von: Peter Midasch | Quelle: steuertip | Eingestellt am: 03.05.2018

Als Arbeitgeber können Sie Ihre Mitarbeiter nicht nur mit Geld für deren Arbeitsleistung entlohnen, sondern auch mit Sachzuwendungen – so z. B. mit der verbilligten Vermietung einer Wohnung, dem Jobticket für private Fahrten und Fahrten zur Arbeit oder der Nutzung eines Fitnessstudios für die persönliche Freizeitgestaltung. Solche Sachzuwendungen sind, soweit sie kostenlos oder verbilligt vom Angestellten in Anspruch genommen werden können, grundsätzlich steuerpflichtiger Lohn. Das gilt jedoch nicht für alle Sachbezüge! Sofern bestimmte einem Mitarbeiter gewährte Sachbezüge die Freigrenze von 44 € im Monat nicht überschreiten, bleiben sie bei der Steuer 'außer Ansatz', sind im Ergebnis also steuerfrei (§ 8 Abs. 2 S. 11 EStG). Somit kommt der Bewertung solcher Sachbezüge eine große Bedeutung zu, soll die 44 €-Grenze nicht gerissen werden.

Gewährt der Arbeitgeber seinem Angestellten etwa ein Jobticket, ist Vorsicht geboten. Sponsert der Boss eine verbilligte Jahresnetzkarte für Bus und Bahn, fließt dem Arbeitnehmer der geldwerte Vorteil nicht (wie man ­meinen möchte) monatlich während seiner Nutzung, sondern einmalig im Zeitpunkt des Erwerbs zu (vgl. 'steuertip' 50/15 und 11/13). Allein dadurch dürfte im entsprechenden ­Monat die 44 €-Grenze im Normalfall deutlich überschritten werden. Der BFH begründet seine Auffassung ­damit, dass dem Arbeitnehmer bereits im Zeitpunkt des Ticketerwerbs ein nicht mehr entziehbarer Anspruch zusteht. Eine Aufteilung des Jahresbetrags auf zwölf Monate ist damit ausgeschlossen. Da stellt sich die Frage, ob dies auch gilt, falls der Arbeitgeber seinen Mitarbeitern das Recht zur Nutzung von Fitnessstudios kostenlos überlässt.

Beispiel: Die A-GmbH schließt mit dem Fitnessstudio-Betreiber Z-Sport einen Vertrag über die Nutzung der Z-Sportstudios ab. Demnach erwirbt die A-GmbH Nutzungslizenzen und damit das Recht, allen Beschäftigten die Trainingsmöglichkeit in den Z-Studios einzuräumen. Die Laufzeit des Vertrags beträgt zwölf Monate. Sie verlängert sich um zwölf Monate, falls nicht rechtzeitig gekündigt wird. Was die Abwicklung betrifft, übersendet die A-GmbH der Z-Sport eine Namensliste mit den teilnehmenden Personen. Die Angestellten erhalten einen Mitgliedsausweis, der zum Ende der Trainingsberechtigung zurückzugeben ist. Die A-GmbH belässt die Sachzuwendung an Mitarbeiter steuerfrei. Umgerechnet auf den einzelnen Monat betrage der Vorteil lediglich 20 € pro Angestellten. Das Finanzamt verweist auf das Jobticket und will die volle Versteuerung.

Da irrt das Finanzamt. „Im Gegensatz zum vergünstigten Erwerb einer Jahresfahrkarte verschafft die Aushändigung des Mitgliedsausweises, an dem die Teilnehmer zudem kein Eigentum erwerben, den Beschäftigten keinen unentziehbaren Anspruch, sondern lediglich das (durchaus entziehbare) Recht zur Nutzung der Einrichtungen für die Dauer der Teilnahme bzw. der aktivierten Karte“, urteilt aktuell das Niedersächsische Finanzgericht (Az. 14 K 204/16).

Ein solches Nutzungsrecht habe zudem 'mietvertragliche Elemente'. Die Folge: Der Zufluss ist, so die Richter, „nicht schon in vollem Umfang mit der Begründung dieses Rechts, sondern erst mit der laufenden Nutzung anzunehmen, da es sich in diesen Fällen regelmäßig um die sukzessive Erfüllung eines auf dem Arbeitsverhältnis beruhenden gegenseitigen Nutzungsüberlassungsvertrages handelt.“
Fazit: Die A-GmbH kann also die Sachzuwendung 'Nutzungsrecht Fitnessstudio' steuerfrei belassen. Der Vorteil fließt nicht einmalig in voller Höhe, sondern monatlich zu.

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