Die Welle rollt:

240.000 Nachfolger bis 2019 im Mittelstand gesucht!
 

von: Georg Clemens | Redaktion: Möbel-Fachhandel | Eingestellt am: 03.05.2018

Wie eine Sonderauswertung des KfW-Mittelstandspanels zeigt, steht bis zum Jahr 2022 bei mehr als einer halben Mil­lion der Inhaber kleiner und mittlerer Unternehmen (KMU) eine Unternehmensnachfolge auf dem Programm. Gut 100.000 Unternehmen läuft die Zeit davon: Hier soll die Nachfolge bis Ende 2019 umgesetzt werden und ein Nachfolger ist noch nicht gefunden oder sie haben noch gar nicht mit der Suche begonnen. In den kommenden zwei Jahren planen 236.000 Inhaber der KMU ihren Rückzug aus ihrem Unternehmen, wollen aber 'ihr Baby' definitiv in die Hände eines Nachfolgers legen (6 % aller KMU Deutschlands). Ihre Bedeutung kann nicht hoch genug geschätzt werden: 2016 haben diese KMU 2 Mio. Arbeitnehmer beschäftigt (ca. 6,4 % aller Erwerbstätigen im Mittelstand) und rund 89.000 Auszubildende. Mit 311 Mrd. € beträgt der Anteil am Mittelstand-Gesamtumsatz gute 7 % und die Investitionssumme liegt bei rund 9 Mrd. € in neue Anlagen/Bauten, was ca. 2 % aller Unternehmensinvestitionen in ganz Deutschland entspricht.

Von 2020 bis 2022 planen sogar weitere 275.000 KMU einen Nachfolger für die Leitung zu finden, das entspricht weiteren 7 %. Der Mittelstand verändert sein Gesicht, jeder siebte Unternehmer sieht in der Aufgabe des eigenen Unternehmens eine Option, Stilllegung ist kein Tabu, sondern für viele die einzige Lösung. Derzeit planen 331.000 noch aktive Mittelständler innerhalb von fünf Jahren die Geschäfts­aufgabe. Sie beschäftigen rund 1,63 Mio. Menschen. Größere KMU mit mehr als 50 Mitarbeitern bevorzugen fast immer eine Nachfolge, nur 5 % denken an eine Geschäftsaufgabe. Bei Kleinstunternehmen mit weniger als fünf Beschäftigten ziehen rund 41 % die Aufgabe in Betracht, Stilllegung ist hier achtmal häufiger eine Option. Handel, Baugewerbe und Dienstleistungs­sektor liegen in ihren Aussagen dicht beieinander, mehr als die Hälfte der Unternehmen soll in Nachfolgehände übergehen.

Im verarbeitenden Gewerbe sind es sogar 75 %. Auch das Alter und der Mangel an qualifizierten Nachfolgern und nachrückenden Existenzgründern hinterlassen Spuren. Schon jetzt sind 1,4 Mio. Inhaber 55+ Jahre alt und ein Viertel wird zum geplanten Rückzugszeitpunkt mehr als 70 Jahre alt sein, jeder Zehnte fast 80! Den 'angespanntesten Nachfolgemarkt' und höchsten Anteil an älteren Inhabern hat der Mittelstand in Schleswig-­Holstein, Thüringen und Baden-Württemberg. In Hamburg, Rheinland-Pfalz/Saarland und Mecklenburg-Vorpommern ist die Lage entspannter, da hier kurzfristig deutlich weniger Unternehmensnachfolgen anstehen. Ist die Nachfolge jedoch ungeklärt, wirkt die Situation als Investitionsbremse. Die Investitions­bereitschaft nimmt mit dem Herannahen des Übergabezeitpunktes ab, bei geplanter Stilllegung wird kaum noch investiert. Die Verunsicherung der Inhaber ist hoch, laufende Verhand­lungen drücken ebenfalls die Investitionsbereitschaft. Ist aber die kurzfristige Nachfolge geklärt, nehmen die Investitionen um 40 % zu. Auch familieninterne Lösungen fördern die Investitionsbereitschaft und rund 54 % der Inhaber quer durch alle Branchen und Größenklassen wollen das Unternehmen nach ihrem Rückzug in den Händen eines Familienmitglieds wissen. 42 % können sich einen externen Käufer vorstellen, aber ein Mitarbeiter oder bisheriger Miteigentümer wird sehr viel seltener als Nachfolger in Betracht gezogen (25 % bzw. 27 %).

„Der deutsche Mittelstand steht infolge des demografischen Wandels vor erheblichen Strukturveränderungen. In den nächsten fünf Jahren ziehen sich die Chefs von 842.000 Betrieben in den Ruhestand zurück – mit oder ohne Nachfolger. Jedes fünfte mittelständische Unternehmen ist betroffen“, so Dr. Jörg ­Zeuner, Chefvolkswirt der KfW-Bankengruppe. Und weiter: „Es besteht die Gefahr, dass Unternehmen nicht weiterentwickelt werden, ihr Wert sinkt und damit auch die Chance, sich erfolgreich am Markt zu behaupten. Der Generationenwechsel muss daher eines der Top-Themen sowohl in den Chefetagen des Mittelstands als auch in der wirtschaftspolitischen Agenda hierzulande sein. Bei externen Nachfolgern sehen wir seit Jahren allerdings einen größer werdenden Engpass durch sinkende Gründerzahlen. Es fehlt dadurch nicht nur an ausreichend ­Unternehmernachwuchs in Deutschland, insbesondere übernahmewillige Gründer werden seltener. Zuletzt lag diese Zahl gerade bei 62.000 im Jahr 2016. Gesunken ist parallel auch die Zahl derer, die sich zumindest an einem bestehenden Unternehmen finanziell und aktiv beteiligen. Das sind letztlich deutlich zu wenige, um den Bedarf an qualifizierten Nachfolgern zur Weiterführung bestehender Unternehmen zu decken. Es ist ­daher eine zentrale Herausforderung, die Attraktivität des ­Unternehmertums wieder zu steigern. Eine stärkere Vermittlung von ökonomischer Bildung und Unternehmerkompetenzen im Bildungssystem wäre ein wesentlicher Baustein hierfür.“

'mi' meint: Nehmen Sie sich die Zeit und gehen Sie Ihre Nachfolgeregelung strategisch an. Wer sich intensiver mit Zahlen und Fakten aus­einandersetzen möchte: https://www.kfw.de/KfW-Konzern/KfW-Research/Nachfolge-im-deutschen-Mittelstand.html.

Noch kein Abonnent?

Abonnieren: Als 'markt intern'-Leser haben Sie Zugriff auf zahlreiche exklusive Inhalte und Service-Leistungen. Informieren Sie sich hier!

Schon Abonnent und bereits registriert?

Login: Sie sind schon Abonnent und registriert? Loggen Sie sich hier ein und lesen Sie Ihre Ausgabe und alle Beilagen online.



Die Auszeichnung  für Fachhändler, Meisterbetriebe und andere mittelständische ‪‎Unternehmer‬:
1a-auszeichnung.de