Zalando-Gewinne sprudeln deutlich weniger

von: Dr. Frank Schweizer-Nürnberg | Quelle: Mittelstand | Eingestellt am: 06.06.2018

'Wenn es ernst wird, musst Du lügen'. Diese Weisheit wird gerne von Fußballmanagern bemüht, aber auch EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker hat sich ihrer schon bedient. An diese Weisheit mussten wir bei der Lektüre des aktuellen Geschäftsberichtes (2017) des Berliner Online­giganten Zalando denken. Dessen Ergebnisse nahmen nach jahrelangen Verlusten (bis einschließlich 2013) zuletzt regelmäßig zu. Das sieht 2017 anders aus. Da gibt es deutliche Rückgänge beim Ertrag.

© ZalandoAber Zalando wäre nicht Zalando, wenn das Management dafür nicht eine überzeugende Begründung hätte: Hohe Investitionen in das Wachstum der Zukunft. Entsprechend vollmundig erklären die drei Vorstände Robert Gentz, Rubin Ritter und David Schneider in ihrem Brief an die „lieben Aktionäre und lieben Freunde“ ziemlich unverblümt: „In den kom­menden Jahren wollen wir um 20 bis 25 % jährlich wachsen und unser Geschäft bis 2020 verdoppeln.“ Falls Ihnen gerade nicht bewusst ist, über welche Dimensionen wir reden: 2017 hat Zalando im Konzern 4,5 Milliarden Euro umgesetzt! Der Gewinn kann da nicht ganz mithalten: Das EBIT sank 2017 um 9,4 Prozent auf 187,6 Millionen Euro. Das entspricht einer EBIT-Marge von 4,2 Prozent. Nach HGB-Rechnung betrug der Jahresüberschuss gerade einmal 105,1 Millionen Euro. Zalando hat ausweislich der eigenen Rechnungslegung im Konzern 49,4 Millionen Euro Steuern ­gezahlt. Der Kapitalmarkt hatte seine eigene Bewertung, wie der Gewinneinbruch zu beurteilen ist. Die Aktie stürzte nach Bekanntgabe der Zahlen am 1. März um fünf Euro auf 42 Euro ab. Inzwischen notiert sie aber wieder bei 45 Euro.

Die Berliner, die aufgrund des hohen Flächenverbrauchs ­ihrer Auslieferungslager und des enormen Lieferverkehrs, den ihr Geschäftsmodell verursacht, nicht gerade als Umwelthelden dastehen, verwenden in ihrem Geschäftsbericht viel Zeit und Energie darauf nachzuweisen, was sie im Inte­resse umweltbewussten und nachhaltigen Wirtschaftens ­alles tun. Ohne ­Frage eine Menge, aber umweltfreundlich ist das Geschäftsmodell deshalb noch lange nicht. Entsprechend stehen für 2017 ins­gesamt 209.650 Tonnen CO2 als Gesamt­ausstoß im Geschäftsbericht, die laut Zalando einen CO2-Wert von 2,54 kg pro ­Bestellung ergaben.

Was uns sonst noch im 256-Seiten starken Geschäftsbericht aufgefallen ist? Nun, zum Beispiel, dass unverändert die Vorstandsvergütung der drei Vorstände nicht einzeln ausgewiesen wird, weil „die Hauptversammlung der ZALANDO SE am 11. Juni 2014 beschlossen hat, dass eine individuelle Offenlegung der Vorstandsvergütungen in den Jahres- und Konzernabschlüssen der ZALANDO SE, die für die Geschäftsjahre 2014 bis 2018 (einschließlich) aufzustellen sind, unterbleibt“. Da verwundert es auch nicht, dass die ­variablen Vergütungsteile der Vorstände weiterhin „keine ausdrückliche Regelung zur Berücksichtigung negativer Entwicklungen“ vorsehen. Als Festgehalt erhielten die drei Herren 2017 insgesamt 600.000 Euro. Das klingt bescheiden, ist aber halt nur ein Teil der Wahrheit. Variabel erhielten sie zusätzlich 4.509.817 Euro (2016 waren es noch 8.572.577 Euro).

Auch als Aufsichtsrat lebt es sich bei Zalando nicht schlecht. Immerhin 65.000 Euro Grundvergütung gibt es (für den Aufsichtsratsvorsitzenden sind es 150.000 Euro, sein Stellvertreter erhält 90.000 Euro). Die neun Damen und Herren zusammen haben 2017 stolze 775.000 Euro kassiert. Zalando gehört wegen seiner Größe zu den Unternehmen, die inzwischen eigentlich gesetzlich gezwungen sind, Frauen in den Vorstand zu hieven. Aber das hat bisher nicht geklappt und soll sich auch nicht ändern. Entsprechend praktikabel wird dem Problem – gesetzlich zulässig – so abgeholfen: „Der Aufsichtsrat hat erneut die Festlegung der Zielgröße gemäß § 111 Abs. 5 AktG auf 0 % Frauenanteil beschlossen, mit einer Frist zur Erreichung bis zum 30. Juni 2022.“ Unterhalb des Vorstands betrugt der geplante Frauenanteil in der ersten Ebene 15 Prozent und in der zweiten Ebene 30 Prozent. Für die erste Ebene wurde das Ziel auf 25 Prozent bis zum 30. Juni 2022 erhöht.

Die neue Bundesregierung legt bekanntlich viel Wert auf Forschung und Entwicklung, gerade auch in privaten Unternehmen. Sie will entsprechende Aktivitäten daher auch steuerlich fördern. Da wäre Zalando ein Kandidat, bei dem es noch viel Überzeugungsarbeit zu leisten gäbe. Die Berliner verbuchten für 2017 unter dem Stichwort 'Forschung und Entwicklung' bei ihrer Umsatzgröße geradezu lächerliche „Entwicklungskosten in Höhe von 51,2 Mio. EUR. Forschungskosten bestehen nur in unwesentlicher Höhe.“ Was in diesem Zusammenhang dann „unwesentlich“ heißt, überlassen wir Ihrer Phantasie. Im Gegensatz zu diesen eher rudimentären Bemühungen umfasst die Liste der Unternehmensbeteiligungen inzwischen 42 Gesellschaften (2015 waren es 25 und 2014 nur 19). 2012 kam das Unternehmen noch mit 12 Beteiligungen aus.