Angela Merkel bei und von der MIT gefeiert

von: Dr. Frank Schweizer-Nürnberg | Quelle: Mittelstand | Eingestellt am: 02.09.2017

Wie sich die Zeiten ändern können. 2015 auf dem 12. Bundesmittelstandstag der Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung der CDU/CSU (MIT) in Dresden wurde die Videogrußbotschaft der Kanzlerin noch mit vereinzelten Buhrufen begleitet und Bundesfinanzminister Dr. Wolfgang Schäuble euphorisch gefeiert. Jener Wolfgang Schäuble, der am Tag zuvor im Zusammenhang mit der Flüchtlingskrise von einem “unvorsichtigen  Skifahrer“ fabuliert hatte, der ungewollt eine Lawine auslösen könne. Wäre es damals nach den Delegierten der MIT gegangen, wäre die Kanzlerin durch Schäuble ersetzt worden.

Jetzt, zwei Jahre später und drei Wochen vor der Bundestagswahl ließ es sich die Kanzlerin nicht nehmen, selbst auf dem 13. Bundesmittelstandstag in Nürnberg zu erscheinen. Und nicht Buhrufe, sondern Standing Ovations und minutenlanges Klatschen signalisierten der Parteivorsitzenden und Bundeskanzlerin, dass sie sich auch auf die MIT als Wahlkämpferin verlassen kann. Dabei dürfte den MIT’lern eigentlich klar sein, dass die Kanzlerin nach der Wahl bei Bedarf deren Positionen auch wieder schnell in die vielzitierte Tonne klopfen würde, falls es die Koalitionsarithmetik fordern würde. Doch damit waren die Huldigungen für die Kanzlerin noch nicht zu Ende.Gekrönt wurde der erste Tag des Kongresses durch eine einstündige Rede Horst Seehofers, die geradezu in einer Eloge auf Dr. Angela Merkel endete. Nicht nur die innenpolitischen Erfolge der 12-jährigen Regierungszeit, so Seehofer, gäben der Kanzlerin Recht („es geht dem Land und den Leuten gut“), nein, die Kanzlerin sei die einzige Führerin der westlichen Welt, die die Anerkennung und die Durchsetzungsstärker besitze, den Westen wieder zu einen und seinen Ideen zum Durchbruch zu verhelfen.

Seehofer selbst ließ seine  Zuhörer spüren, dass er sich im Zenit seines politischen Schaffens sieht, das er durch einen Sieg der Union bei der Bundestagswahl und eine erneute absolute Mehrheit der CSU bei der bayerischen Landtagswahl 2018 gekrönt wissen will. Entsprechend locker und selbstironisch trat er auf: Nicht einmal er habe als Ministerpräsident verhindern können, dass sich Bayern so gut entwickelt habe. Er sei der Regierungschef mit den meisten lebenden Vorgängern (was nicht immer von Vorteil sei) und den meisten Nachfolgern. Das wiederum genießt er. Einer seiner potenziellen Nachfolger, Markus Söder, ließ dann die Zuhörer auf dem fränkischen Abend der MIT wissen, als Nürnberger sei er noch nicht so ganz zufrieden, weil der „Club“ als Zweitligist immer noch etwas schwächle. Aber wichtig sei, dass er „vor Ingolstadt“ stehe. Ingolstadt ist bekanntlich Horst Seehofers Geburtsstadt.