E-Autos:

Fachhandwerker gründen Initiative

von: Hans Georg Pauli | Quelle: Installation Sanitär/Heizung Nr. 06/17 | Eingestellt am: 13.02.2017

Mal mehr, mal weniger, geistert ein Fahrverbot für alle Diesel-Transporter in deutschen Innenstädten durch die Gazetten. Ob Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) ein Fan davon ist, kann man nur raten – beinahe stündlich ändern sich die Wasserstandsmeldungen zu diesem Thema. Fachhandwerker sind jedoch nicht auf den Kopf gefallen und planen für die Zukunft, wie wir schon in ISH 30 + 33/16 geschrieben haben. Dazu erreicht uns die Nachricht Ihres Kollegen Ron Woydowski/Bergisch Gladbach, ein bekennender E-Auto-Fan (vgl.  ISH 40/16):

„Ich denke, viele Kollegen machen sich im Moment Gedanken über künftige Diesel-Fahrverbote und es gibt da einen Lösungsansatz, über den sogar schon die Auto Bild berichtet hat. Nicht nur die Elektro-Autos sind mittlerweile alltagstauglich, auch das Image wäre so positiv, dass es gerade für unsere Branche interessant sein dürfte.“

Roland Schüren und Ron Woydowski bei der Vertragsunterzeichnung | © Woydowski

Was Woydowski meint, ist ein Artikel vom 3. Februar 2017. Darin wird beschrieben, wie der Bäckermeister Roland Schüren/Hilden den Fuhrpark seines Unternehmens auf Elektro-Fahrzeuge umstellen will. Die Vorgaben waren: 100 km echte Reichweite, Kaufpreis 40.000 € bis 60.000 € (Sprinter-Klasse) und Akku 40 bis 60 kWh. Der Bäckermeister erweist sich als ausgesprochen pfiffig, als er eine 'Selbsthilfegruppe' gründet. Doch lassen wir Schüren selbst erzählen:

„Wir Bäcker brauchen Elektroautos als Transporter in der Sprinterklasse – und kein Automobilhersteller baut sie uns. Deswegen haben wir von Ihr Bäcker Schüren/Ladepark Kreuz Hilden diese Selbsthilfegruppe gegründet. Wir und viele weitere Handwerksbäcker möchten unsere frischen Backwaren klimafreundlich und emissionsfrei in unsere Filialen und zu unseren Firmenkunden liefern. Von allen bekannten Automobilherstellern gibt es kein Angebot oder nur ein einziges teures Produkt in der Fahrzeuggröße, die wir benötigen. Die sehr tapferen Umrüstungsbetriebe stecken viel Herzblut in ihre Einzelumbauten, können aber naturgemäß meist nur zu dreifach höheren Preisen von vergleichbaren Verbrennungsmotormodellen anbieten. Wir möchten versuchen, das schneller zu ändern, als die etablierten Hersteller es umsetzen. Das Ziel unserer Initiative: Beim doppelten Preis eines Elektro-Transporters im Vergleich zu einem konventionellen, muss noch in 2018 Schluss sein. Und zwar ohne etwaige Förderungen, die verbessern den Kaufpreis dann gegebenenfalls noch. Wie wollen wir Bäckereiunternehmen das erreichen? Wir sammeln einen Großauftrag nahezu gleicher Fahrzeuge zusammen.“

Gesagt, getan – auf Facebook wurden die Kollegen aufgerufen, sich an einer Sammelbestellung zu beteiligen und das Ergebnis schildert uns Ron Woydowski, der ebenfalls großes Interesse an einem solchen Fahrzeug hat und die Kollegen aufruft, die Augen nicht zu verschließen, sondern Richtung Zukunft zu blicken:

„Nach nur zwei Wochen gibt es schon ca. 200 Interessenbekundungen, die seit gestern (3. Februar 2017) in Vorreservierungen übertragen wurden – für 2.000 € Gebühr (die bis zum Kaufvertrag jederzeit zurückerstattet werden können). Wenn jemand Interesse hat, einfach über Facebook gehen, da stehen alle Infos. Ist alles eine Non-Profit-Aktion, keiner verdient daran!“

Wir können an dieser Stelle nur unseren Hut lüften: Da hat ein Bäcker-Meister etwas zustande gebracht, was milliardenschwere Automobilhersteller nicht hinbekommen. Wie Auto Bild berichtet, sind nicht nur Fachhandwerker wie Kollege Woydowski, sondern auch ein Rettungswagenbetreiber und einige Firmen aus dem Ausland bei der E-Selbsthilfegruppe angemeldet. Eine Zuladung von 850 kg und eine Winterreichweite von 100 km sollten Argumente sein, die jeden umweltbewussten Handwerker neugierig machen.


Unser Tipp deshalb: ++ Prüfen Sie, welche Ihrer Fahrzeuge in naher Zukunft ersetzt werden müssen. ++ Noch sind E-Transporter relativ teuer. Das heißt, man muss sie sich leisten wollen. ++ Stellen Sie sich am besten gleich die Frage, ob Sie dazu schon bereit sind oder ob es bei Ihnen aufgrund der Feinstaub-Situation vor Ort relativ schnell zu Fahrverboten kommen könnte. In Großstädten wie Essen, Frankfurt oder Berlin wird dies eher der Fall sein, als in ländlich geprägten Regionen.

Link zur Facebookseite der E-Transporter Selbsthilfegruppe

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