Presseanfrage

  ZDF-Berichterstattung in WISO

Viele Fachhandwerker, die am Montag, den 17. August 2015, ihren Fernseher einschalteten, um etwas über 'Abzocke in Deutschland' zu lernen, trauten ihren Augen und Ohren nicht. Über die Darstellung berichteten wir bereits direkt im Anschluss in unserem Informationsbrief. Die weitere Recherche ergab, was viele von Ihnen angesichts der Thematik und der Aufbereitung schon vermutet hatten – gedreht wurde für die Hintergrundbilder in der Ausstellung von reuter.de in Mönchengladbach. Klar, dass Ihr 'mi'-Team sofort eine Presseanfrage an das ZDF auf den Weg brachte. Ehrensache, dass wir die Antwort von Martin Leutke, Redaktionsleiter WISO, vollumfänglich vorstellen. Bitte berücksichtigen Sie, dass außer ISH noch der Sport-Fachhandel betroffen war und einige Fragen an den Redaktionsleiter richtete.

Die ´markt intern´-Presseanfrage:
 
1. Warum wurden vertikale und horizontale Kartelle in der WISO-Dokumentation 'Abzocke in Deutschland...' undifferenziert gleichgesetzt und unterschiedslos in den Bereich der Kriminalität gerückt?
 
2. Einer der im Beitrag interviewten Experten schildert uns gegeüber, dass die Film-Crew einen gesamten Tag bei ihm gewesen sei. Dabei sei auch ein 60-minütiges Interview geführt worden, in welchem er (in Bezug auf vertikale Kartelle) auf die unklare Rechtslage hingewiesen hätte. Sein differenzierter Beitrag sei jedoch stark gekürzt worden. Hinweise auf die unklare Rechtslage oder generell eine differenziertere Betrachtungsweise fehlen ganz. Warum fehlen diese Hinweise des Experten zur unklaren Rechtslage völlig? Warum wurde vollständig darauf verzichtet, darauf hinzuweisen, dass es zu der dargestellten Haltung im Bereich vertikaler Kartelle sehr wohl (gut begründete) Gegenmeinungen gibt? Und warum wurden Vertreter einer solchen Gegenmeinung konsequent nicht zitiert?
 
3. Aus welchem Grund wurde bei Fa. Reuter gedreht, aber darauf verzichtet, Herrn Reuter oder einen seiner Mitarbeiter persönlich zu interviewen? Warum wurde als Konsumentin Frau Kaschdailis vorgestellt, die durch ihre Funktion zumindest ein berufliches Interesse an einem florierenden Onlinehandel haben muss? Was entgegnen Sie dem Eindruck, dass die von Ihnen beauftragte Exit Film- und Fernsehproduktion für die Anliegen von Branchenbeteiligten einseitig Partei ergreift?
 
4. Wie beurteilen Sie die Auswirkungen eines solchen TV-Beitrages unter dem Siegel 'WISO', das eine sehr hohe Glaubwürdigkeit beim Fernsehpublikum besitzt?
 
5. Mit welchen Mitteln können Sie ausschließen, dass sich derart tendenziöse Beiträge wiederholen?
 

Die Antwort von Martin Leutke, Redaktionsleiter WISO:


Sehr geehrter Herr Pauli, herzlichen Dank für Ihr Schreiben, auf das ich hiermit gerne antworten möchte. Selbstverständlich stellen wir uns gerne jeder Kritik – erlauben Sie mir dennoch zu sagen, dass Ihr Schreiben einige Formulierungen enthält, die ich so nicht nachvollziehen kann. Selbstverständlich schreiben unsere Autoren ihre Texte selbst – nichts kam aus der 'Feder' von Herrn Reuter. Auch haben wir an keiner Stelle in dem Film erklärt, dass der Online-Handel die 'alleinseligmachende Bezugsquelle' darstellt. Der mögliche Beruf von Frau Kaschdailis, die zur Zeit offenbar gar nicht arbeitet, spielt für den Film keine Rolle. In der Dokumentation wird auch niemand 'an den Pranger' gestellt. Bezüglich der Firma Deuter wurden lediglich Stichproben im Internet und im stationären Handel gemacht, die alle zu dem von uns dargestellten Ergebnis kamen, zu dem die Firma Deuter sich im Film dann auch äußert.

Zu Ihren Fragen: Ad. 1: In der Dokumentation werden horizontale und vertikale Kartellverstöße – hier entsprechende Preisvorgaben und Druckmittel von Herstellern an Händler – aufgezeigt. Zwischen diesen wird sehr wohl differenziert.

Ad. 2: Da Sie den Namen des 'Experten' nicht nennen, weiß ich nicht, auf wen sich Ihre Frage bezieht. Soweit ich weiß, war unser Team bei keinem Gesprächspartner 'einen gesamten Tag lang'.

Ad. 3: Für die Dokumentation im TV sind Bilder unabdingbar. Die Aufnahmen aus den Ausstellungsräumen dienten der allgemeinen Bebilderung. Der mögliche Beruf von Frau Kaschdailis spielt für ihre Fallschilderung aus Verbrauchersicht keine Rolle. Die von ihr vorgetragenen Zahlen und Ergebnisse sind klar belegbar. Mit der Produktionsfirma EXIT Film arbeitet meine Redaktion seit Jahren vertrauensvoll zusammen. Den von Ihnen beschriebenen Eindruck kann ich nicht teilen.

Ad. 4: Nach der Ausstrahlung haben uns zahlreiche Schreiben von WISO-Zuschauern erreicht. Diese Reaktionen von neutraler Seite waren sehr positiv, was uns gefreut hat. Auch die erfreuliche Quote belegt das große Interesse an diesem Thema.

Ad. 5: Ihre Frage enthält eine Behauptung, die ich nicht nachvollziehen kann. Der Film ist nicht tendenziös, außer dass er sich gegen illegale Kartelle und verbotene Absprachen und Vorgaben ausspricht. Mit freundlichen Grüßen, Martin Leutke, Redaktionsleiter WISO.“