PayPal bietet Übernahme der Retourenkosten an

Eine Möglichkeit für den Fachhandel gegen Amazon und Co. zu bestehen?


von: Dominicus Gnielinski | Quelle: Foto-Fachhandel & -Studio | Eingestellt am: 27.07.2017

„Auf dem Bildschirm sah es viel cooler aus? Und die Farbe ist auch knapp daneben? Ob man ins Schwarze getroffen hat, weiß man beim Online-Shopping manchmal erst, wenn der Paketbote da war“, schreibt der Online-Bezahldienst PayPal seine Nutzer per Newsletter an und hält gleich eine Lösung parat: „Bis zum 31.12.2017 übernehmen wir für Sie die Retourenkosten. Unser Service gilt für bis zu 12 Rücksendungen im Jahr, jeweils bis zu 25 € und auch für internationale Retouren.“

Als Sprachrohr des mittelständischen Facheinzelhandels begrüßt 'markt intern' grundsätzlich sämtliche Möglichkeiten, mit denen unabhängige Fachhändler im Rahmen ihres Online-Angebots mit den vielfach von Amazon gesetzten Standards im Kundenservice mithalten oder diesen sogar etwas entgegenhalten können. Die Aufwendungen für die Logistik spielen in diesem Zusammenhang eine große Rolle für Endverbraucher. Nicht umsonst bewirbt Amazon sein Prime-Angebot unter anderem mit kostenlosen Versandvorteilen. Die kostenlose Retoure 'ohne Wenn und Aber' gibt es aber selbst bei Amazon nicht, denn die versandkostenfreien Rücksendungen sind auf das Segment 'Schuhe, Bekleidung und Handtaschen' beschränkt (F 16/17) und müssen als Angebot explizit mit 'kostenloser Rückversand' gekennzeichnet sein.

Das kostenneutrale Retourenangebot bei PayPal könnte also für online-aktive Fachhändler, die die Bezahlung über den Dienst anbieten, eine attraktive Möglichkeit sein, beim Kunden zu punkten – solange der Service nicht auf den Schultern des Händlers angeboten wird. 'mi' hakt bei PayPal nach, inwiefern der verkaufende, die Zahlung per PayPal anbietende Händler bei Inanspruchnahme des genannten Angebots durch den Kunden für den Versand der Retoure konkret belastet wird. Die 'mi'-Anfrage beantwortet Sabrina Winter aus dem PayPal-Presseteam:

„'Kostenlose Retouren' ist ein Service von PayPal für Käufer, d. h. die PayPal-Kunden auf Verbraucherseite. Der Service wurde zunächst zeitlich begrenzt für die Weihnachtszeit 2016 eingeführt, Anfang März 2017 wurde der Service dann in ein dauerhaftes Angebot umgewandelt. Die im Rahmen dieses Service anfallenden Kosten für die Erstattung von Rücksendekosten werden nicht dem Händler belastet, sondern von PayPal übernommen. Von daher profitieren sowohl Käufer als auch Händler von diesem neuen Angebot – der Käufer erhält beim Bezahlen mit PayPal 'mehr' als nur die reine Bezahldienstleistung, der Händler wiederum profitiert davon, dass sich die Zahl von Kaufabbrüchen hierdurch reduzieren kann und mehr Leute in seinem Onlineshop kaufen.“

Das klingt nicht schlecht – oder gibt es doch einen Haken bei der Umsetzung? Dazu erläutert die PayPal-Sprecherin: „Voraussetzung für die Nutzung ist, dass der Käufer den Service einmalig auf der PayPal-Website für sein Konto aktiviert. Kommt es anschließend zu einer kostenpflichtigen Retoure, erstattet PayPal die Rücksendekosten bis zu einer Höhe von 25 € und das bis zu 12 Mal pro Jahr – immer natürlich unter der Voraussetzung, dass die Bestellung mit PayPal bezahlt wurde.“ Konkret muss der Verbraucher zunächst für den Rückversand in Vorlage treten und anschließend innerhalb von 30 Tagen bei den 'Aktivitäten' in seinem PayPal-Konto den zurückgesendeten Artikel auswählen und über den Klick auf 'Erstattung der Rücksendekosten beantragen' den Antrag stellen. Die Rückerstattung der Retourenkosten wird nach ca. fünf Tagen dem betreffenden PayPal-Konto gutgeschrieben. Ausgeschlossen ist dieser Weg, wenn der Verkäufer selbst die kostenlose oder erstattungsfähige Rücksendung seiner Waren anbietet.

Im Hinblick auf die typische 'mi'-Leserschaft nutzt Sabrina Winter die Gelegenheit, noch weitere Punkte anzureißen: „PayPal hat vor gut zwei Jahren speziell für kleine und mittelständische Händler eine Rundum-Bezahllösung auf den Markt gebracht, die sich PayPal PLUS nennt. Rundum-Bezahllösung bedeutet, dass Händler mit PayPal vier Bezahlmethoden auf einmal erhalten: PayPal, Lastschrift, Kreditkarte und Rechnungskauf – mit anderen Worten: die vier beliebtesten Bezahlmethoden der Deutschen. Dies erleichtert gerade kleinen und mittelständischen Händlern das Leben, da es ihnen aus eigener Kraft oft nicht möglich ist, diese vier Bezahlmethoden anzubieten.“ Seit Mitte 2016 bietet der E-Payment-Dienst zudem mit 'Ratenzahlung Powered by PayPal' eine Bezahllösung mit einem starken Fokus auf kleine und mittelständische Händler an: „So können Händler ihren Kunden anbieten, die in ihrem Onlineshop angebotene Ware in Raten zu bezahlen. PayPal übernimmt dabei den kompletten Zahlungseinzug und das Risikomanagement.“

'mi'-Fazit: Das Geschäftsmodell von Dienstleistern besteht darin, für geleistete Dienste ein Entgelt zu erheben. Da der Bezahlende PayPal kostenlos nutzen kann, ist die Übernahme der Retouren-Kosten pauschal in der Nutzungsgebühr auf Zahlungsempfängerseite eingepreist. Nichtsdestotrotz erkennen wir in diesem Angebot einen gewissen Charme: • Mit dem Vorteil des kostenlosen Rückversands kann der Händler zwar nur indirekt per Hinweis werben, da es sich um einen PayPal-Service handelt. Aber der Bezahldienst bewirbt das Angebot rege selbst – was PayPal-Partnern im Handel zugute kommt. • Die Rückerstattung per Antrag bei Vorlage durch den Verbraucher mag umständlicher sein, als eine beigelegte Paketmarke, dennoch sendet dies das richtige Signal für das Verbraucherverhalten aus: Die ausgeübte Retoure sollte Ausnahme, nicht die Regel sein. • Der Händler trägt nicht das Versandkostenrisiko, wenn der eigene Webshop auf das Radar von Retouren-Junkies gerät. • Mit den weiteren Zahlungsmodalitäten schafft PayPal Möglichkeiten für Händler, um den Online-Shopper abseits von Marktplatz-Strukturen attraktive Verkaufskonditionen zu bieten.

Deshalb: Wenn Sie den Warenabsatz über das Netz als feste Säule Ihres Geschäftsmodells etablieren wollen oder Sie bereits online handeln, bleibt Ihnen eine intensive Auseinandersetzung mit den Zahlungsmöglichkeiten für Ihre Kunden nicht erspart. Dabei sind Bezahldienste, wie PayPal, aber auch Paydirekt, Giropay, Sofortüberweisung etc. eine vom Kunden gern genutzte Lösung – vor allem beim Kauf per Smartphone. Wie sind Ihre Erfahrungen mit ePayment-Anbietern?

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