PV-Energiespeicher

Optimaler Eigenverbrauch bei Photovoltaik


Jörg Mayer; Foto: BSW Solar

Düsseldorf: Interview mit Jörg Mayer, Geschäftsführer des Bundesverbandes Solarwirtschaft e.V. (BSW-Solar)

markt intern:
Welche Rolle spielt die dezentrale Energiespeicherung im Rahmen der Energiewende ?

Mayer: Solarstromspeicher für den Hausgebrauch helfen dem Energiemarkt und dem Netz. Sie reduzieren vor allem die Kosten für den Netzausbau und sind so eine wichtige Voraussetzung für den weiteren Zuwachs der Erneuerbaren Energien. Sie erhöhen die Aufnahmefähigkeit bestehender Verteilnetze um bis zu 66 Prozent, wie das Fraunhofer ISE in der Speicherstudie 2013 feststellte. Die Speicher leisten aber noch mehr: Sie können die Netzfrequenz und Netzspannung stabilisieren und helfen dabei, Angebot und Nachfrage im Stromnetz im Gleichgewicht zu halten.

markt intern: Vor welchen technischen Herausforderungen steht der Hersteller und Anwender eines Batteriespeichersystems ?

Mayer: In Zukunft werden Solarstromspeicher über eine höhere Energiedichte verfügen – die Investition in die benötigte Speicherkapazität wird damit günstiger. Im Fokus der Entwicklungsabteilungen stehen zudem die Batteriemanagementsysteme: Solarstromspeicher müssen schlaue Teamplayer sein, denn sie arbeiten mit der Solarstromanlage, den Verbrauchern im Haus und dem öffentlichen Stromnetz zusammen. Warten muss dennoch keiner, denn Solarstromspeicher sind eine junge, aber ausgereifte Technologie. Aktuell fördert die Bundesregierung die Photovoltaik-Speicher mit einem attraktiven Kredit. Bis zu 30 Prozent der Anschaffungskosten für das Speichersystem tilgt dabei der Staat über einen rückzahlungsfreien Zuschuss.

markt intern: Welche markttauglichen Lösungen gibt es bereits, damit dieser beispielsweise den Eigenverbrauchsanteil seines selbst erzeugten PV-Stroms optimieren kann?

Mayer: Eine intelligente Systemtechnik steuert heute schon das Zusammenspiel zwischen Solarstromanlagen und den Verbraucher im Haushalt oder im Gewerbebetrieb. Dank integrierter Wetterprognosen läuft die Waschmaschine und lädt sich der Speicher, wenn die Sonne scheint. Die Steuerungstechnik lernt die Gewohnheiten der Nutzer kennen und stellt die Anlage darauf ein. Mit Solarstromspeichern kann noch mehr Sonnenstrom selbst genutzt werden. Das macht die Anlagenbesitzer unabhängiger von Energieversorgern und leistet zugleich einen wichtigen Beitrag zur Energiewende.

markt intern: Welche Eigenverbrauchsanteile sind heute möglich?

Mayer: Wer im Unternehmen tagsüber arbeitet, benötigt den Solarstrom dann, wenn die Photovoltaik-Anlage läuft. Deshalb sind bei Unternehmen solare Eigenverbrauchsquoten von 60 bis über 90 Prozent keine Seltenheit. Bei einer Solarstromanlage, wie sie typischerweise auf Ein- oder Zweifamilienhäusern installiert wird, kann auch ohne technische Hilfsmittel etwa ein Drittel des umweltfreundlichen Sonnenstroms selbst genutzt werden. Mit einem Solarstromspeicher können Betreiber ihren Eigenverbrauchsanteil oft mehr als verdoppeln.

markt intern: Bei Batteriesystemen für PV-Anwendungen setzen die meisten Anbieter derzeit in erster Linie auf Blei-Säure-Batterien oder auf die Lithium-Ionen-Technologie. Warum ist dies so ? Welche Vor-und Nachteile bieten diese beiden Technologien bei der Speicherung von PV-Strom ?

Mayer: Für den Einsatz bei Hauseigentümern sind elektrochemische Energiespeicher auf Blei- oder Lithium-Ionen-Basis geeignet, weil sie über eine entsprechende Marktreife verfügen ünd über hohe Energiedichten pro Quadratmeter Aufstellfläche. Damit sind die Systeme für Privatleute erschwinglich. Pauschal kann man sagen, dass Bleispeicher seit Jahrzehnten bewährt, günstiger in der Anschaffung und meist schwerer sind. Lithium-Ionen-Akkus halten meist länger, haben einen höheren Wirkungsgrad und können tiefer und auch häufiger entladen werden. Welcher Solarstromspeicher zum Einsatzgebiet und Lastprofil am besten passt, hängt letztlich vom Einzelfall ab.

markt intern: Auf welche Speicherkosten muss sich ein privater Häuslebauer bei der Speicherung von regenerativ erzeugter Energie einrichten (Kosten pro kWh)?

Mayer: Die Preise für einen Solarstromspeicher mit Blei-Technologie liegen durchschnittlich zwischen 7.000 und 9.000 Euro. Für Solarstromspeicher mit Lithium-Technologie müssen ungefähr 10.000 bis 13.000 Euro einkalkuliert werden. Diese Preise gelten für ein fünf kWh-Speicher-System (Nennkapazität) inklusive Installation aber ohne Mehrwertsteuer. Die Größe des Speichers hat dabei einen maßgeblichen Einfluss auf die Anschaffungskosten.

markt intern: Gibt es realistische Schätzungen dazu, wie sich diese Speicherkosten in den nächsten fünf Jahren entwickeln könnten? Wenn ja, welche?

Mayer: Das Marktforschungsinstitut EuPD Research erwartet für die nächsten Jahre deutliche Kostensenkungen für Speichersysteme. Eine Netzparität von gespeichertem Solarstrom mit Strom vom Energieversorger dürfte im Verlauf der zweiten Hälfte dieses Jahrzehnts erreicht werden, wenn es gelingt, die Preise für Speichersysteme über Skaleneffekte und technologischen Fortschritt bis dahin entsprechend zu reduzieren, die Politik diese Entwicklung weiter anreizt und solare Selbstversorger nicht finanziell unnötig belastet.

markt intern: Was konkret müsste geschehen, um die Zahl massenmarkttauglicher standardisierter Speicherlösungen für PV-Anwendungen signifikant zu erhöhen ? Welchen Beitrag dazu leistet der Bundesverband Solarwirtschaft e.V. ?

Mayer: Die solare Eigenstromerzeugung von Bürgern und Unternehmern ist ein unverzichtbarer Motor der Energiewende. Sie ist der entscheidende Treiber, um Photovoltaik in den nächsten Jahren förderunabhängig zu machen. Es ist eines unserer Hauptanliegen als Verband, die Photovoltaik-Eigenerzeugung weiterhin von Umlagen und zusätzlichen Belastungen weitestgehend frei zu stellen. Mit einer herstellerunabhängigen Kampagne unterstützen wir die Branche und machen Lust auf Solarstrom rund um die Uhr, auf mehr Unabhängigkeit vom Stromversorger und auf einen aktiven Beitrag zur Energiewende. Die Informationsmaterialien wie die Kundenbroschüre und der Speicherfilm können Händler und Installateure gerne in Beratungsgesprächen einsetzen. (www.die-sonne-speichern.de)

markt intern: Welche Rolle kommt den überwiegend mittelständisch geprägten Betrieben des elektrotechnischen Fachhandwerks (ca. 5 bis 30 Mitarbeiter) a) für die Energiewende und b) für die Solarwirtschaft zu ?

Mayer: Eine Kombianlage aus Solargenerator und Speichersystem ist ein perfektes Gespann. Das elektrotechnische Fachhandwerk verfügt über das Wissen, wie elektrochemische Speicher mit elektrischen Anlagen verknüpft werden können. Planung, Installation und Instandhaltung von Solarstromanlagen ist komplexer geworden. Hier kann das elektrotechnische Fachhandwerk punkten und langfristige Kundenbeziehungen in der Solarwirtschaft aufbauen. Der neue Speicherpass des BSW-Solar und ZVEH hilft dabei: Er dokumentiert die hohe Installationsqualität von Solarstromspeichern und wird vom Installateur an seinen Kunden übergeben.

Das Gespräch führte Oliver Blumberg, Chefredakteur des Informationsbriefes 'markt intern'-Elektro-Installation.

Weitere Informationen zur aktuellen Marktlage sowie konkrete Dienstleistungs-Service-Angebote für Fachhandwerker zum Thema Eigenverbrauchs-Optimierung von PV-Strom erscheinen regelmäßig im Rahmen der wöchentlichen Berichterstattung des Informationsbriefes 'markt intern'-Elektro-Installation.

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