Wetterchaos:

Ausfälle und Verspätungen können für Pendler arbeitsrechtliche Folgen haben


von: Peter Vogt | Quelle: arbeitgeber intern Nr. 21/17 | Eingestellt am: 03.11.2017

In den letzten Wochen fegte ein Sturmtief nach dem anderen über Deutschland hinweg und sorgte dafür, dass der gesamte Bahnverkehr in vielen Teilen Deutschlands eingeschränkt oder komplett eingestellt werden musste. Auch andere Verkehrsmittel sind vor wetterbedingten Störungen nicht gefeit und von dem Chaos und Staus auf den Straßen brauchen wir wohl gar nicht erst zu reden. Viele Arbeitnehmer kommen daher zu spät oder gar nicht zur Arbeit.

„Wer zu spät kommt, den bestraft mitunter nicht nur das Leben, sondern es drohen ihm auch arbeitsrechtliche Konsequenzen“, sagt Diana Nier, Juristin und Fachanwältin für Arbeitsrecht beim Verband DIE FÜHRUNGSKRÄFTE – DFK. „Pünktliches Erscheinen liegt in der Verantwortung der Mitarbeiter: Arbeitnehmer tragen das sogenannteWegerisiko. Ausnahmen sind natürlich denkbar, etwa wenn die Wettervorhersagen keine gravierenden Wetterkapriolen prognostiziert haben und diese praktisch unvorhergesehen und plötzlich eintreten“, sagt Nier.

„Kann ich bei einmaliger Verspätung etwa einem Mitarbeiter auch kündigen?“, fragt sich sicherlich so mancher Chef, wenn er an den einen oder anderen Mitarbeiter denkt. Wohl kaum. Aber an eine Abmahnung könnten Sie denken. Dies ist aber eher die Ausnahme und nur dann anzuraten, falls sich die Mitarbeiter nicht in der Firma melden bzw. einfach, ohne Bescheid zu geben, zu Hause bleiben. Hier gilt das Gleiche wie bei Krankmeldungen: Sofort den Arbeitgeber in Kenntnis setzen. Denn es ist die Pflicht der Mitarbeiter, diesen über die Verspätung umgehend zuinformieren und sich mit ihm über das weitere Vorgehen abzustimmen, um Betriebsstörungen weitgehend zu vermeiden.

So sieht die Rechtslage aus: Sie als Arbeitgeber können verlangen, dass die ausgefallene Arbeitszeit von den Mitarbeitern nachgeholt wird – sogar bei Verspätung noch am selben Tag, z. B. wenn Terminsachen etc. erledigt werden müssen. Auch sind etwa Home-Office oder Urlaubs- oder Freizeitausgleich eine Möglichkeit, die aber konkret mit Ihnen vereinbart und abgestimmt werden muss. Ein eigenmächtiges Handeln kann arbeitsrechtliche Konsequenzen nach sich ziehen. Auf ein Taxi können Sie Ihre Mitarbeiter nur dann verweisen, wenn diese Taxifahrt zumutbar ist, also die Taxikosten in Relation zum Verdienst vertretbar sind.

Bei einer Abmahnung stehen Sie als Arbeitgeber auf sehr dünnem Eis, wenn wir sprachlich mal beim Wetter bleiben wollen. Denn mit einer Abmahnung soll eine Pflichtverletzung des Mitarbeiters beanstandet werden, um ihn zukünftig zu einem vertragsgerechten Verhalten zu veranlassen, damit im Wiederholungsfall keine Kündigung droht. Eine Abmahnung macht aber nur dann Sinn, sofern dem Mitarbeiter das Verhalten auch vorwerfbar ist, er also entweder vorsätzlich oder zumindest fahrlässig eine Pflichtverletzung begangen hat. Etwas, was er aber tatsächlich nicht beeinflussen kann, wird zukünftig auch nicht anders sein. Und genau hier bricht das dünne Eis, auf dem Sie stehen: Wenn es dem Mitarbeiter faktisch unmöglich oder nicht zumutbar war, zur Arbeit zu kommen, ist eine Abmahnung nicht rechtens.

Apropos Arbeitsweg und Versicherung: „Arbeitnehmer sind auf ihrem direkten Arbeitsweg unfallversichert, das habt  Ihr von agi ja immer wieder betont. Aber was gilt, wenn ich nur auf Umwegen ins Büro gelangen kann, z. B. weil ich bei einem Kollegen mitfahre und der noch andere Leute einsammelt oder ich von Pontius zu Pilatus mit öffentlichen Verkehrsmitteln über die Dörfer zuckeln muss?“ In derartigen Ausnahmesituationen gilt: Falls sie keine andere Möglichkeit haben, ihren Arbeitsplatz zu erreichen, ist das der direkte Arbeitsweg – trotz aller Umwege. Auch wenn der Kollege noch andere Mitfahrer abholt, ist das unproblematisch. Kauft er aber noch schnell Brötchen oder sind die Umwege nicht durch die „Verkehrsstörungen“ bedingt, ist es eine andere Sache. Da kommt es im Zweifelsfall  dann sehr auf den Einzelfall an.

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