'markt intern' Apotheke/Pharmazie - Woche für Woche

Apotheke/Pharmazie: Ausgabe 17/2017

Die Stiftung Warentest findet 14 Zuckerwürfel in einer Flasche Limo – wir haben nicht gesüßt und in der Branche gerührt:

  • Doppelte Kammer(-zwangs-)mitgliedschaft – derzeit nicht abwendbar
  • DAK kritisiert Arzneimittel-Mondpreise
  • LINDA Empfehlungswochen auf dem Weg in den Sommer
  • DocMorris-Automat hält wieder die Klappe.

Doch zunächst, sehr geehrte Leserin, verehrter Leser, geht es an die erste Ergebnissichtung:

Leistungsspiegel 'OTC-Anbieter' 2017

'markt intern' Apotheke/Pharmazie - Aktuelle Nachrichten

Coty beim EuGH: Auftakt zur Entscheidungsschlacht um den Selektivvertrieb

Ein Kommentar des Münchener Vertriebsrechtspezialisten Mark-E. Orth zum ersten Verfahrenstag der Anhörung im Coty-Verfahren am Luxemburger EuGH und eine Einordnung in den Gesamtkontext

Ergänzung zu Ihrer 'markt intern'-Ausgabe Apotheke/Pharmazie 16/17

Stada-Übernahme — Pokerspiel wird belohnt

Da musste sich der Vorstand rund um Dr. Matthias Wiedenfels einiges in den letzten Wochen anhören, wie er und seine Kollegen mit den Übernahmeangeboten der Finanzinvestoren Advent und Permira auf der einen und Bain Capital und Cinven auf der anderen Seite umging. Die maxi- malen Schätzungen des Marktes lagen bei 60 – 62 € je Aktie, die Angebote lagen mit ca. 58 € nicht so weit entfernt. Doch Vorstand und Aufsichtsrat sahen deutlich Luft nach oben, gerüchteweise bis 70 €, und pokerten – erfolgreich, denn Bain Capital und Cinven bieten nun je Stada-Aktie 65,28 € dazu eine Dividende von 72 Cent die Weiterführung bestehender Betriebsvereinbarungen und Tarifverträge Standortsicherung für die Zentrale und zentrale Geschäftsbereiche sowie möglichst auf betriebsbedingte Kündigungen in den nächsten vier Jahren zu verzichten. Bedingung dafür ist, dass den Finanzinvestoren mindestens 75 % der Anteile angeboten werden. 'mi' meint: An diesem „nicht ganz unwichtigen Tag in der Geschichte der Stada“ fasst Dr. Matthias Wiedenfels das Angebot noch einmal zusammen, und klingt „nach langem, lösungsorientierten Verhandeln“ zufrieden. Der Unternehmenswert wird unter Berücksichtigung der Schulden mit ca. 5,3 Mrd. € angesetzt – eine Wette auf die Zukunft. Denn die Restrukturierung läuft und vieles scheint noch in der Pipeline bereit zu stehen. Damit besteht für Stada Potenzial, aus Sicht der Investoren ausreichend für eine deutliche Angebotsverbesserung. Das bedeutet, laut dem Vorstandsvorsitzenden, dass das offizielle Angebot jetzt veröffentlicht wird und Vorstand sowie Aufsichtsrat dann ihre Empfehlung abgeben. Die Aktieninhaber entscheiden natürlich eigenständig, aber bis zum Sommer soll der Prozess möglichst abgeschlossen sein. Und Dr. Matthias Wiedenfels „macht gerne weiter, aber über Managementpositionen wurde mit den Investoren noch nicht gesprochen“. Klar ist, Investoren können rechnen … und wollen Geld verdienen, meist schnell ganz viel. Aber Personal ist auch Kapital und da hat man sich wohl ganz gut dargestellt. Jetzt muss erst mal geliefert werden. Was das für die Apotheken bedeutet, lässt sich allerdings noch nicht vorhersehen.

„Sanofi Zentiva: Lieferant mit den meisten Defekten in 2016“

Diese Betreffzeilen haben Noweda-Genossen und weitere Kunden vielleicht heute schon gelesen – ein entsprechendes Schreiben ging von der Essener Apothekergenossenschaft
aus. Udo Harneit, Ressortleiter Vertrieb, und Matthias Groß, Ressortleiter Industrie, informieren über die mangelhafte Lieferfähigkeit von Arzneimitteln. Dies ist kein prinzipiell neues Thema – auch nicht die Bemühungen aller pharmazeutischen Großhandlungen, deshalb Bestände aufzubauen und so Lieferschwierigkeiten abzupuffern, bevor diese die Apotheken erreichen.

Neu sind einige Interna, die nun öffentlich gemacht werden. Wir lesen weiter: „NOWEDA bemüht sich nach Kräften, Einfluss zu nehmen auf Lieferanten, die besonders auffällig sind und damit auch in Ihrer Apotheke zu Kundenenttäuschungen und massiv erhöhtem Arbeitsaufwand führen. Um diese Lieferanten mit unakzeptablen Liefersituationen und Defektzahlen zu konfrontieren, hat NOWEDA schon vor einiger Zeit das Projekt 'Blaue Briefe' gestartet: Danach erhalten Vorstände und Geschäftsleitungen der besonders auffälligen Firmen monatlich persönliche Anschreiben, denen entnommen werden kann, dass das jeweilige Unternehmen im Berichtsmonat zu den schlechtesten Lieferanten der NOWEDA gehört hat.“

Harneit und Groß müssen leider erkennen, wie bei manchen Lieferanten sämtliche Bemühungen ins Leere laufen. Einsame Spitze sind unsere französischen Freunde mit deutschen Standorten in Berlin und Höchst: „So war Zentiva im Jahr 2016 die Firma mit den meisten nicht lieferfähigen Packungen in der NOWEDA. Die von Zentiva ausgelieferte
Menge entsprach im abgelaufenen Kalenderjahr nur rund 39 % der bestellten Mengen. Seit Anfang 2017 hat sich die Auslieferquote der Zentiva noch weiter verschlechtert und
liegt nun nur noch bei 35 %. Bei fünf Artikeln mit der schlechtesten Lieferfähigkeit lag die Auslieferquote im Februar 2017 sogar nur bei 17 % der von NOWEDA bestellten Mengen.“

Von Matthias Groß erfahren wir, dass unter den fünf 'schwierigsten' Produkten Metformin Lich, Novaminsulfon Lichtenstein (zwei Darreichungsformen), Ibuflam und Bronchoforton sein sollen – u. a. also sehr oft verordnete Schmerzmittel, die bei Rabattverträgen zum Zuge kommen.

Was nun folgt, ahnen Sie? Directeur Général de Sanofi, Monsieur Olivier Brandicourt, kennt es schon – und wird es garantiert niemals lieben: Die NOWEDA stellt allen Kunden einen Protestbrief zur Verfügung. Darin wird der Sanofi-Chef aufgefordert seiner Verantwortung für eine schnelle und verlässliche Versorgung der Patienten gerecht zu werden dem pharmazeutischen Großhandel (NOWEDA) und damit Ihrer Apotheke ausreichend Ware zur Verfügung zu stellen und dafür zu sorgen, dass keine Lieferengpässe mehr auftreten. Auf unsere Anfrage bei Sanofi/Zentiva erhalten wir kurzfristig diese Zeilen:

„Die in der Protestaktion von Noweda publizierten Zahlen können wir nach einer ersten Überprüfung überhaupt nicht nachvollziehen. Sanofi/Zentiva hätte es begrüßt, im Vorfeld mit Noweda zu sprechen und die Zahlen abzuklären. Das Unternehmen bedauert, dass dadurch viele Apotheker instrumentalisiert und verunsichert werden. Für die generischen
Wirkstoffe existieren mit den Krankenkassen etablierte Prozesse, die gemeinsam mit den Apothekern die Versorgung der Patienten sicherstellen. Dies ist das oberste Ziel von Sanofi/Zentiva.“

Fühlen Sie sich instrumentalisiert – oder protestieren Sie? Schicken Sie Ihr Feedback auch an die 'markt intern'-Redaktion!

Und bei Interesse: Hier finden Sie den Brief-Text.

 

Inhaltsverzeichnis 2016 

Damit Sie immer die Übersicht behalten - das Inhaltsverzeichnis Ihrer 'markt intern'-Ausgaben Apotheke/Pharmazie 2016 liegt für Sie hier zum Download bereit.