Vorsicht bei Solaranlagen auf fremden Dächern:
Traumrendite ohne eigenes Haus und ohne eigenes Geld? (ERGÄNZUNG 18.11.09)
Düsseldorf, 04.11.2009. Solarfonds und Direktinvestitionen in Dachanlagen boomen derzeit in Deutschland. Doch nicht jedes Angebot oder jedes sogenannte Solarförderprogramm beschert Verbrauchern eine sonnige Zukunft. Aktuell warnt der Düsseldorfer Branchendienst 'kapital-markt intern' ('k-mi') vor den Angeboten "SafeInvest" der Firma Solartechnics/Osnabrück und Coningham "DirektInvest", beide vertrieben von der GfM Gesellschaft für Machbarkeitsstudien mbH & Co. KG/Kelkheim.
Bei beiden Angeboten kauft der Anleger eine Solaranlage und verpachtet diese für einen festen Zeitraum an eine Gesellschaft zurück, die mit dem Verkäufer kooperiert. Diese Gesellschaft verpflichtet sich als 'Nutzerin' gemäß Vertrag zur Zahlung einer festen monatlichen Pacht über 20 Jahre und übernimmt alle Nebenkosten der Anlage. Die Anleger müssen nicht Immobilienbesitzer sein, die Anlage kann auf dem Dach eines Dritten errichtet werden. Zudem wird auch eine 100-Prozent-Finanzierung in Kooperation mit einer Bank zum Erwerb der Solaranlage praktisch ohne Eigenkapital offeriert.
Die auf den ersten Blick attraktive Höhe der Pacht stellt jedoch nach Auffassung von 'kapital-markt intern' gleichzeitig den Haken des Angebots dar: Gemäß 'k-mi' vorliegenden Beispielrechnungen und Musterverträgen, die auch über automatische Kalkulatoren im Internet nachvollzogen werden können, offerieren die Anbieter für einen Preis von 10.000 Euro zzgl. USt eine Solaranlage mit einer Nennleistung von 2,43 Kilowatt Peak (kWp), wobei dem Käufer über 20 Jahre eine feste jährliche Pacht von 1.385 Euro zzgl. USt. in Aussicht gestellt wird.
Um die Höhe der Pachtzahlungen mit Stromerlösen auf der Grundlage der derzeit gültigen Einspeisevergütung für Dachanlagen gemäß Erneuerbaren Energien-Gesetz (43,01 ct/kWh für Dachanlagen, die 2009 in Betrieb genommen werden) zu erzielen, müßte eine Solaranlage mit diesen Spezifikationen einen spezifischen jährlichen Ertrag von ca. 1.327 kWh pro kWp der Nennleistung erreichen. Dies ist nach allgemeinen Erfahrungswerten in Deutschland unter den derzeitigen technischen Rahmenbedingungen unrealistisch:
'k-mi' bekannte Freiflächen-Solarparks erzielen derzeit erwartungsgemäß mit aktuellen Modulen unter weitgehend optimalen Bedingungen, die Dachanlagen nicht immer bieten können, in Gebieten mit hoher Globalstrahlung i. d. R. einen mittleren spezifischen Jahresertrag von bis zu 1.100 kWh/kWp, also weit geringere Werte. Die Deutsche Gesellschaft für Sonnenenergie e. V. weist bspw. darauf hin, daß "optimal errichtete Kleinanlagen heute um 850 kWh pro kWp (Niedersachsen) bis 1000 kWh pro kWp in Südbayern erreichen" (www.dgs.de). Der Bundesverband Solarwirtschaft verweist ebenfalls darauf, "daß auch in 'Bestlagen' und bei optimalen Rahmenbedingungen (gute Dachausrichtung, hochwertig und bewährte Komponentenauswahl, gute Abstimmung zwischen Modul und Wechselrichter, Anlage in sonniger Lage Deutschlands etc.) nicht mit Prognosen von langfristig deutlich über 1000 kWh pro kWp pro Jahr kalkuliert werden sollte"www.solarwirtschaft.de).
Vor diesem Hintergrund trägt ein Kunde von Anbietern wie 'SafeInvest' und 'Coningham Direktinvest' das Risiko, daß er weitaus geringere Erträge durch Brutto-Stromerlöse erzielt, als ihm durch die Pacht in Aussicht gestellt wurden, wenn die Pächterin bzw. Nutzerin ihre Verpflichtungen nicht mehr erfüllen können sollte, zumal ihm die jeweiligen örtlichen Gegebenheiten seiner Solaranlage kaum bekannt sein dürften. Das Risiko besteht u. a. konkret darin, daß der potentielle Investor sich mit falschen Vorstellungen in die Finanzierung einer Solaranlage begibt.
Hinzu kommt, daß der Erwerber im Fall der Insolvenz des Pächters mit fortschreitenden technischen Leistungsverlusten (sog. Degradation) rechnen, sowie zusätzlich sämtliche weitere Kosten für Wartung und Versicherung und ggf. auch für Instandhaltung und Reparatur selbst tragen müßte. Dieses nicht unrealistische Szenario hätte die Gefahr zur Konsequenz, daß die gesamte Kalkulation aus den Fugen und das Modell in Unterdeckung gerät bzw. der Erwerber seine Finanzierungskosten nicht mehr kostendeckend aufbringen kann, so daß er einen Kapitalverlust erleidet:
Ist die ursprüngliche Kalkulation der Anbieter, die eine hohe monatliche Pachtzahlung über 20 Jahre verspricht, für Interessenten auf den ersten Blick verlockend, die eine Solaranlage auf einem fremden Dach erwerben und für 20 Jahre verpachten wollen, gilt dies nicht mehr, wenn die Pächterin bzw. Nutzerin ihren Zahlungsverpflichtungen nicht mehr nachkommen kann: Der Investor muß dann bis zu 20 Jahren eine Solaranlage betreiben und abstottern, die er auf der Grundlage einer völlig anderen Kalkulation ggf. völlig ohne eigenes Kapital erworben hat.
Auf Seiten der finanzierenden Banken scheinen die genauen Umstände dieses Modells derzeit noch nicht vollständig bekannt zu sein: Eine deutsche Direktbank, deren Musterkreditverträge für Energie-Finanzierungen hier offenbar zum Einsatz kommen sollen, teilte 'kapital-markt intern' auf Anfrage mit, daß durch deren Energie-Programm "ausschließlich Anlagen auf eigengenutzten Dächern finanziert werden".
Bilanzen und Eigenkapitalausstattung der beteiligten Unternehmen sollten Anleger in diesem Zusammenhang aufhorchen lassen: Die im Modell 'SafeInvest' nach 'k-mi' vorliegendem Mustervertrag als Pächterin auftretende Solartechnics GmbH & Co. KG weist gemäß Jahresabschluß 2008 ein Gezeichnetes Kapital/Eigenkapital von nur 1.000 Euro auf, bei einer Bilanzsumme von 7,5 Mio. Euro und Verbindlichkeiten von 7,45 Mio. Auch die Pächterin im Modell 'Coningham' – nach 'k-mi' vorliegendem Mustervertrag die Coningham Solarpark Deutschland GmbH & Co. KG – besitzt praktisch kein Eigenkapital: Kommanditistin ist dort laut Auskunft von Creditreform die Coningham Consulting Ltd. mit Sitz in London und die GmbH & Co. KG verfügt über eine Einlage von 1.000 Euro.
Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) erklärte auf Anfrage von 'kapital-markt intern', für Angebote dieser Art nicht zuständig zu sein, weil in diesem Fall keine Prospektpflicht vorliege. Anleger dürfen von dieser Seite demnach keinen Schutz erwarten und sollten bei entsprechenden Angeboten unbedingt auf der Hut sein.
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ERGÄNZUNG vom 18.11.09: Am 9.11.09 erklärte hierzu die Coningham Solar GmbH für ihr Unternehmen: "Die Geschäftsbeziehung zu GfM wurde aus beiderseitigem Wunsch zum 03.07.2009 gekündigt. Die Geschäftsbeziehung zu Solartechnics wurde durch Coningham Solar zum 20.07.2009 aufgehoben." Dessen ungeachtet war auf der Coningham-Homepage (http://www.coningham.de/unter_3.htm) bis einschließlich letzter Woche (46. KW) immer noch zu lesen, daß man "mit unserem Partner, der Gesellschaft für Machbarkeitsstudien (GfM), ein ganz besonderes Highlight bieten" will. Wie die Coningham am 13.11.2009 auf Nachfrage mitteilte, habe man die Seite jedoch inzwischen überarbeitet: Auf die Anfrage von 'kapital-markt intern', wie das Geschäftsmodell funktionieren soll, wenn die Pachtzahlungen höher sind als die voraussichtlichen Brutto-Stromerlösen aus der anteilig verkauften Solaranlage, teilt Coningham mit, daß "sich der angegebene Ertrag aus zwei maßgeblichen Komponenten zusammensetzt: 1.) Ertrag aus EEG. 2.) Ertrag aus dem ratierlichem Verkauf der Anlage an Coningham Solar". Die Refinanzierung dieses Rückkaufs der Solaranlagen gehöre jedoch zu "unseren internen Daten bzw. zum Firmengeheimnis“, so Coningham weiter gegenüber 'k-mi', und könne "verständlicherweise nicht bis ins Detail in den Medien veröffentlicht werden". Nur soviel will Coningham verraten: "Die Finanzierung besteht zum Teil aus privaten Geldern + eigenen Anlagen + Einnahmen aus Forschung und Entwicklung."
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