Asics:

Was ist von der Kartellamtsentscheidung zu halten?

Am 27. August 2015 hat das Bundeskartellamt endlich den Fall Asics abgeschlossen – nach mehr als 3 Jahren Ermittlungstätigkeit. Der Laufschuh-Pionier Asics hatte 2011 neue Vertriebsrichtlinien vorgestellt. Darin hatte Asics von autorisierten Händlern eine größtmögliche Qualität bei Beratung und Service verlangt und zu diesem Zweck beispielsweise preisgetriebene Werbung (bspw. über Preissuchmaschinen) oder den Verkauf über Online-Marktplätze ausgeschlossen. Mit einem solchen, so bezeichneten selektiven Vertrieb, wollen Hersteller in der Regel erreichen, dass Konsumenten die für sie jeweils beste Beratung und den besten Service in ausgewählten Einzelhandelsgeschäften und ggf. bei deren Online-Ablegern erhalten. Dieser Praxis will das Bundeskartellamt einen Riegel vorschieben. Das zeigt auch die jüngste Entscheidung zum Asics-Fall. 

Seit das Kartellamt seine Entscheidung bekannt gemacht hat, überschlagen sich die Meldungen online und offline. Häufig zu hören ist von den Befürwortern der Entscheidung, diese diene dem Verbraucherschutz, weil sie für günstige Preise auch bei Markenartikeln sorge. Außerdem, so das zweite Argument, würden kleinere Händler geschützt, indem sich deren Absatzchancen verbesserten.

Beide Einschätzungen sind falsch. Warum Sie misstrauisch werden sollten, wenn solche Thesen an Sie herangetragen werden, lesen Sie hier


Der adidas-Fallbericht des Bundeskartellamts

Keine stichhaltige Begründung für den Plattformzwang!

Das Bundeskartellamt stellte das gegen adidas geführte Pilotverfahren ein, nachdem adidas sein Verkaufsverbot für Online-Marktplätze aufgehoben hatte. Im Fallbericht vom 19. August 2014 begrüßt das Kartellamt die Umstellung. adidas betreibe ein selektives Vertriebssystem, das zwar als solches zulässig sei. Allerdings habe adidas auf den Märkten für Fußballbekleidung und Fußballschuhe Marktanteile von über 30 %. Vor diesem Hintergrund sei ein pauschales Verbot von Online-Marktplätzen unzulässig. Diese Wertung gelte „nach vorläufiger Auffassung“ jedoch auch für Märkte, auf denen die Marktanteilsschwelle von 30 % nicht überschritten werde.  

Die nachfolgende Kritik des Fallberichts ist darauf gestützt, dass das Bundeskartellamt sich über die gesetzliche Definition selektiver Vertriebssysteme hinwegsetzt (Ziffer 1), ein lediglich diffuses Bekenntnis zum selektiven Vertrieb abgibt (Ziffer 2), die Rolle der Marktmacht für die Gestaltung von Vertriebssystemen ungeklärt lässt (Ziffer 3), Online-Marktplätze pauschal als vorteilhaft für stationäre Fachhändler bezeichnet (Ziffer 4) und mit dem angeordneten Plattformzwang gegen den Grundsatz der Vertrags- und Vertriebsfreiheit verstößt (Ziffer 5). Aufgrund seines schematischen Denkansatzes entgeht dem Bundeskartellamt die Eigentümlichkeit des adidas-Vertriebssystems (Ziffer 6). Zudem befördert das Amt die Vermachtung im E-Commerce anstatt ihr entgegenzuwirken, wie es seine Aufgabe wäre (Ziffer 7). Das Resümee (Ziffer 8) fällt dementsprechend negativ aus. mehr...


Freier Handel unter Beschuss:

BKartA attackiert Asics-Vertriebsrichtlinien

In seiner Pressemitteilung vom 28.04.2014 kritisiert das Bundeskartellamt eine in den Asics-Vertriebsrichtlinien liegende angebliche „weitgehende Behinderung des Internetvertriebs“. Einmal mehr erbringt das Amt damit den Nachweis, dass es energisch in die falsche Richtung unterwegs ist. Vielmehr ist es das Amt selbst, das einen fairen Online-Vertrieb behindert. 

Offensichtlich hielt das Bundeskartellamt den Zeitpunkt für gekommen, das Prinzip des freien Handels offen anzugreifen. Das Ziel dieses Manövers kann eigentlich nur sein, die bisherige Festung nach und nach sturmreif zu schießen. Es ist deshalb kein Wunder, dass die Pressemitteilung unmittelbar nach Veröffentlichung in den betroffenen Wirtschaftskreisen – d.h. dem gesamten Bereich der Warendistribution – eine mittlere Detonation ausgelöst hat. mehr...